Ein Hai kommt vorbei

Sanft plätschert das kristallklare Wasser an den schneeweißen Sandstrand, das Meer hat angenehme 28 Grad, die Luft 30. Ein Hai schwimmt vorbei, macht in seiner Bahn einen kleinen Schlenker um mich herum. Ich grinse und zücke die Kamera.

Was wie der Beginn eines zweitklassigen Stammtischwitzes klingt, ist hier auf den Malediven ganz normal. Ja, hier kommen die Schwarzspitzenriffhaie bis an den Strand. Es besteht keine Gefahr für Menschen angegriffen zu werden, erstens, weil wir eh nicht auf dem Speiseplan stehen und zweitens Haie keinen Hang zur Selbstüberschätzung hegen. Die „Kleinen“ sind ja quasi noch Babys, gerade mal 40 -50 cm groß. Sie begnügen sich mit kleinen Fischen und Krebsen die sie im Sand aufspüren. Ich bin an einer kleinen Bucht auf der Insel Kruedu, diese liegt im Lhaviyani Atoll , ca. 700 Kilometer vor Indien und Sri Lanka im Indischen Ozean. Diese Bucht ist der Ort an dem man Haie und Rochen direkt am Strand beobachten kann. Es ist sozusagen der Kindergarten der hübschen Jäger.


Das Wetter ist durch die Nähe zum Äquator ganzjährig um die 30 Grad warm, mit Regen-und Trockenzeiten. Eigentlich ist der August wettertechnisch nicht unbedingt der sicherste Monat, wir hatten jedoch ausschließlich schönes Wetter.

Schon die Anreise ist besonders. Es ist mein erster Flug mit einem Wasserflugzeug, denn von der Hauptstadt Male reist man noch mal 40 min mit diesen fliegenden Wassertaxis.

Als wir zum Startplatz der Wasserflugzeuge gefahren werden, finden wir eine Art Hafenbecken vor, in dem die Flotte von 50 Maschinen in kurzen Abständen starten und landen. Es geht locker zu. Die Sicherheitsunterweisungen finden vorschriftsmäßig vom Kapitän statt, dieser steigt in Shorts und Flipflops als Letzter in die Maschine. Wir bekommen die Notausgänge, den Aufbewahrungsort der Rettungswesten gezeigt und mit einem Grinsen hält er die Sicherheitsinstruktionen hoch und sagt, dass man dieses Blatt auch prima als Fächer in nehmen kann.

Der Flug ist toll, man bekommt einen großartigen Eindruck von den Atollen. Ach, das ist ja ein Traum hier, denke ich bei mir, diese Inseln mit den vorgelagerten Riffen aus der Vogelperspektive ist unfassbar schön anzusehen.

Kurz vor Einbruch der Dämmerung landen wir. Ein langer Steg führt uns auf die Insel, ab hier braucht man eigentlich keine Schuhe mehr, Kruedu ist eine Barfußinsel. Wo man hinschaut – überall weißer Puderzuckersand. Ich verstehe sofort, warum die Malediven ein so beliebtes Honeymoon-Ziel sind. Allein die Farben sind unfassbar. Dieses Türkis, dieses Blau, das üppige Grün der Vegetation und das Weiß des Sandes, es verschlägt mir die Sprache.

Der Empfang ist sehr herzlich und professionell, die Gartenvilla, die mein Zuhause für die nächsten paar Tage im Paradies sein wird, ist zwar etwas in die Jahre gekommen aber sauber und hübsch anzusehen. Das Bad befindet sich draußen, das ist für mich, obwohl ich es ja auf der Seite des Hotels gesehen habe, erst einmal fremdartig, aber lustig. Probleme die Feuchtigkeit raus zu bekommen hat man hier jedenfalls nicht. Später hatte ich noch die Gelegenheit mir eine Villa einer anderen Preiskategorie anzuschauen, da ist das Openairbad schon deutlich eleganter und aufwändiger angelegt, bei meinem ist eine schlichte Mauer drum, das wars. Aber was solls, ich bin ja für diese traumhafte Natur hier.

Auf Kruedu gehen die Uhren auch anders – und das ist wörtlich gemeint, auf den Malediven gibt es keine gesetzlich vorgeschriebene einheitliche Zeit, sondern jede Insel darf die Uhrzeit selbst festlegen. Man hat sich entschlossen, den Touristen eine Stunde mehr Tageslicht zu spendieren und die Uhren im Gegensatz zur Hauptstadt einfach eine Stunde vorgestellt.

Ich gebe zu, ich hatte Vorurteile als ich die Reise gebucht habe. Meine Vorstellung war tatsächlich, mir könnte die kleine Insel nach zwei Tagen langweilig werden. Nein, das ist nicht der Fall. Und ich rede nicht über das Hotelangebot und die Abendunterhaltung. Mir ist diese unfassbare Natur kein Stück langweilig geworden.

Mein Eindruck von Kruedu ist sehr positiv, alles sehr gepflegt, ständig sind Heerscharen von Personal damit beschäftigt die Sandwege von jedem noch so kleinen Blättchen zu befreien. Die Hotelsprache ist Englisch, wie auch zu erwarten war, man hat aber vor Ort eine deutschsprachige Reiseleitung, Tina Zündorff, die ich auf noch mal ausdrücklich loben möchte, hat sehr viel Wissen und ist ständig bemüht um ihre Gäste. Auf der “Einführungsrunde über die Insel” am nächsten Tag kann ich mir diese ganzen Infos zwar irgendwann nicht mehr merken, man bekommt aber alle Bars, Restaurants, Wellness-Oasen, die Sandbank, den Golfclub und auch sonst alles gezeigt, was man später vielleicht auf eigene Faust noch mal näher erkunden möchte.

Die Insel, obwohl nur ca. 1800 m x 350 m groß, kommt einem jedenfalls überhaupt nicht klein und noch weniger überfüllt vor. Eigentlich hatte ich nie das Gefühl, irgendwo wäre es mal zu voll gewesen, weder in „unserem“ Restaurant, noch am Strand oder in den Bars.

Auch hier werde ich wieder positiv überrascht. Am Tag der Ankunft stellt man uns eine kleine Flasche Champagner in einem Sektkühler in die Villa. Wir beschließen diesen am Strand vor der Villa beim Blick auf den Sonnenuntergang zu vernichten. Eine tolle Idee.

 

Ein bisschen Programm brauche ich in meinem Urlaub ja immer und so beschließen wir, uns einen halben Tag lang einen Segeltörn in die Inselwelt zu gönnen, kombiniert mit einer geführten Schnorcheltour zum Außenriff. Die Unterwasserwelt fasziniert mich außerordentlich, wenngleich man auch überall sieht, dass der Tourismus hier schon deutliche Spuren hinterlassen hat, besonders an den Buchten wo viele Menschen schnorcheln gehen, Boote und Wasserflugzeuge an- und ablegen, sieht man Unterwasser abgebrochene Korallen.

Bei dem Ausflug zum Außenriff bleiben wir allerdings ein paar Meter über den Korallen und sehen eine unfassbare Fülle von verschiedenen kunterbunten Fischen, nebenbei bemerkt, es sind ganz andere Arten als innerhalb der Lagune, so dass es sich auf jeden Fall lohnt.

 

Haie habe ich überwiegend gesehen, als ich gerade nicht im Wasser war, bis auf ein einziges Mal, da kam ein ausgewachsener Hai von ca. 2 Metern auf mich zu und schwamm unter mir durch, was mich kurz die Luft anhalten ließ, er hatte aber null Interesse an mir.

Die grüne Meeresschildkröte, die bis zu 140 Zentimeter lang werden und 185 Kilogramm wiegen kann und auch die echte Karettschildkröte habe ich in der Lagune eigentlich bei jeder Schnorcheltour gesehen, auch mal mehr als nur eine. Ein irres Erlebnis.

Die Tiere weiden das Seegras ab, welches sich in der Bucht befindet und lassen sich auch durch die Schnorchler, die einen Sicherheitsabstand nicht unterschreiten, nicht stören. Das man die Tiere aber natürlich nicht anfassen und erschrecken sollte, versteht sich von selbst, dies wird den Touristen erfreulicherweise aber mehrfach eingebläut, überhaupt fand ich die Verhaltenshinweise überaus erfreulich. Schon beim Warten aufs Wasserflugzeug wird dem Touristen viel beigebracht.

Einen großen Stachelrochen, einen Hummer von beträchtlicher Größe, verschiedene kunterbunte Fische wie Drückerfische, Papageifische, Doktorfische, den meisten vielleicht eher als Dorie aus dem Film „Findet Nemo“ bekannt, habe ich oft gesehen, auch ganze Schwärme von ihnen. Gerade die Drückerfische, die jetzt auch nicht so klein sind, haben den Ruf ein wenig miesepetrig zu sein, wenn Schnorchler ihnen zu nah auf die Flosse rücken riskiert man schon mal eine Attacke.

Aber auch davor wird man vorher gewarnt, wer es dennoch drauf ankommen lässt ist selbst schuld.

Hier hatte ich Glück und konnte ein fast flügge gewordenes Küken des Weißschwanz-Tropikvogels erhaschen. Diese Vögel fliegen, gut erkennbar an der langen Schwanzfeder, sehr oft über die Insel. Auch Flughunde haben wir hier jeden Tag entdecken können.

 

Restaurant und Bar O

 

Auf dem Rückweg vom Segeltörn geraten wir in eine riesige Gruppe von Delfinen, einige hundert sind es sicherlich. Wow, ich hätte gar nicht gedacht wie schön und auch berührend so ein Erlebnis ist. Sie sind überall, schießen pfeilschnell durchs klare Wasser, auch direkt neben dem Schiff, ich sitze direkt an der Reling, lasse die Beine baumeln, hin und wieder spritzt die Gischt hoch an meine Füße und ich schaue den Delfinen zu. Genau das sind die Momente, die dir ein solches Glück geben, dass es beinah mit den Händen greifbar ist.

 

Ein weiteres Erlebnis ist das Spa am O-Beach von Kruedu. Ja, ich hatte vor der Reise gesagt, dass ich da nicht hin wollte, weil es einfach zu kostspielig ist und die Reise ja schon teuer genug war. Ich habe bei meiner Erkundungstour dieses Spa direkt am Meer gesehen und ich muss sagen, meine guten Vorsätze sind ins Wanken geraten. Ich habe es auch nicht bereut.

Die Massage war brillant, die Liege mit Blick ins Meer inkl. bunter Fische eine super schöne Idee und das Schaumbad nach der Massage auf der Terrasse mit Blick auf den Indischen Ozean einfach unvergesslich.

Ich könnte noch stundenlag schreiben, wie schön und aufregend die Natur auf den Malediven ist, doch ich will den Leser ja auch nicht mit zu langen Texten langweilen. Ein Muss ist ein Besuch der Sandbank an der Sangu-Bar. Dort kann man ein paar hundert Meter ins Meer hineinlaufen und genießt dieses Farbspektakel aus Blau und Türkis, für das die Malediven ja berühmt sind. An diesem Strand findet man auch die Wasservillen, die direkten Zugang zum Wasser bieten.

 

 

 

Die Hauptstadt Male

Auf dem Rückflug haben wir noch ein bisschen Zeit, der Wasserflieger geht um 14:00 Uhr und die große Maschine nach Abu Dhabi erst um 18:55 Uhr.

Tina hat uns angeboten uns einen Guide zu buchen, der uns in die Hauptstadt begleitet. Eine schöne Sache, bekommt man doch hier noch mal eine ganz andere Seite der Malediven zu sehen. Ich mag so was.

 

Ab dem Flughafen steigt man auf die öffentlichen Wassertaxis um, die zwischen Male und dem Flughafen pendeln. Der Ticketpreis ist mit einem US-Dollar echt erschwinglich und man fährt ca 20 min bis zum anderen Ufer. Die Hauptstadt ist quirlig und laut, tausende Mofas flitzen durch die Straßen, irgendwie erinnert mich das hier an Bali.

 

Der Guide begleitet uns durch die Straßen und Gassen, erzählt hier und da etwas zur Geschichte, zu den großen Moscheen und zum Arbeitsalltag. Der Fischmarkt und direkt dabei der Obst-und Gemüsemarkt hat mir am besten gefallen, was aber wohl an meiner Vorliebe für Märkte liegt, die ich in den anderen Blogbeiträgen ja schon ausgiebig erwähnt hatte.

 

Denkmal der Terroranschläge 1988, bei denen 8 Soldaten ums Leben kamen.

Wer die Zeit hat sollte den kleinen Ausflug ruhig mal machen. Shoppingwillige sollten sich allerdings nicht zu viel versprechen, das war eher enttäuschend und außer krass kitschigem Touristen-Schnick-Schnack findet man eher nicht. Das einzige was wir erstehen ist eine Süßigkeit aus Kokosnusszucker, die ausgesprochen lecker ist.