Ein Ausflug von der Küste nahe Guadalavaca nach Santiago de Cuba ist auf jeden Fall empfehlenswert. Wir buchen die teurere Variante mit dem Oldtimertaxi und sind anfangs unsicher, ob es die richtige Entscheidung ist. Für aktuell so um die 90,- € pro Person gibt es die Tour mit dem Bus, für 129,- € mit dem Classic-Car-Taxi. Nie war ich glücklicher ein bisschen mehr Geld ausgegeben zu haben. Es ist einfach fantastisch. Santiago de Cuba liegt rund 200 km von der Playa Esmeralda entfernt und wer einmal die Straßen Kubas genossen hat, weiß, dass man mit einem Durchschnitt von 100 km/h hier wirklich niemals rechen darf. Morgens um 7.00 Uhr soll es losgehen und wir sind wirklich erstaunt, dass sonst niemand diese Tour gebucht hat.

Wir haben einen sehr netten Tourguide, der sehr gut deutsch spricht und einen kubanischen Fahrer, in einem wunderschönen türkisfarbenen Chevi Bel Air. So langsam wachsen mir diese Autos ans Herz.

Die Ledersitze sind wunderschön, der Chevi insgesamt in einem guten Zustand. Nach einer liebenswürdigen kubanischen Verspätung, die aber durch ein Missverständnis begründet war, geht es dann los.

Ohne Stopp braucht man gute 3 – 3,5 Stunden, was ein echt guter Schnitt ist. Es geht auf endlosen Landstraßen an einer sich rasch verändernden Landschaft vorbei. Bananenfelder, Königspalmen, dschungelähnliche Vegetation, unterbrochen von Zuckerrohrfeldern, Weideland und kleinen ländliche geprägten Örtchen wechseln sich in rascher Folge ab.

Nach knapp 2 Stunden halten wir an einem kleinen Bauerhaus, man möchte uns ein typisches Domizil der kubanischen Landbevölkerung zeigen. Ich glaube, für alle Seiten ist die Begegnung spannend. Die ganze Familie ist versammelt, die Tochter hat ein kleines Frühstück zusammengestellt mit Produkten die wir bisher an unseren üppigen Hotelbuffets nicht entdecken konnten. Alles aus eigener Herstellung.

Opa, stolze 80 Jahre, wird beauftragt eine Kokosnuss für die Gäste zu öffnen, die wir genüsslich austrinken. Es gibt ein schnittfestes Gelee aus Guave, die Früchte kommen selbstverständlich aus dem Garten, den man mit frischen, hausgemachten Käse kombinieren soll. Man hat gebacken, frischer Saft wird serviert, Honigwaben, Ananas und ein wirklich leckerer Kaffee. Wir sind begeistert. Den Stopp hat der Guide organisiert und es ist wirklich super. Wir zeigen uns gerne in Form eines Trinkgeldes erkenntlich. Dafür wird man ein Gespür entwickeln, wenn man ein paar Tage auf der Insel ist. Die kubanische Bevölkerung kann man getrost als arm bezeichnen. Es gibt zwar eine Grundversorgung mittels Bezugsscheinen für Reis, Zucker und Bohnen, also den absoluten Grundnahrungsmitteln, ein Gesundheitssystem das kostenlos ist und auch eine freie Bildung inkl. Hochschule, aber all das lässt nicht vergessen, dass die Menschen wirklich arm sind. Das Durchschnittseinkommen liegt bei deutlich unter 30,- €. MONATLICH! Rentner auch nur 9,- €

Wenn alle sonstige Produkte, wie zum Bespiel Kleidung und Kosmetikprodukte auch im Verhältnis so billig wäre, wäre das alles nicht so schlimm, dies ist aber nicht der Fall. Eine Jeans kostet 25,- – 30,- CUC, also ein Monatseinkommen, auf dem Schwarzmarkt immer noch 20,- CUC. Das ist auch der Grund, warum man auf der Straße oft nach Seife gefragt wird. Die Bettler fragen die Touristen tatsächlich nach Seife, weil diese relativ teuer ist und man die wiederum weiterverkaufen kann. Unfassbar für die Einheimischen, dass auf einem Hotelzimmer direkt mehrere Stücke Seife liegen, eine Tatsache, über die wir nicht wirklich nachdenken.

Unser Guide, mit dem wir ja einen ganzen Tag verbracht und uns wirklich toll unterhalten haben als wir nach Santiago de Cuba gefahren sind, besuchte einmal auf spezielle Einladung Deutschland. Dem kubanischen Fahrer hat er erzählt, dass es direkt mehrere Toilettenpapierrollen auf einer Toiletten gibt. Unfassbar – für Kubaner. Er hat das sogar fotografiert. Wir schmunzeln.

Unsere Entscheidung, unsere gesamten Kosmetikartikel vor der Heimreise zu verschenken, stand da schon fest. Die Menschen freuen sich überschwänglich. Kubaner sind wirklich warmherzlich. In unserem Hotel war der Service herausragend nett. Aber das nur so am Rande. Weiter geht es zu einer neuen Tour.

Es geht Richtung Santiago de Cuba, eine wirklich sehenswerte Stadt. Die erste Station ist der Platz der Revolution. Einen solchen gibt es eigentlich in jeder größeren Stadt aber der in Santiago de Cuba ist imposant groß, ein paar archaisch wirkende Spitzen ragen wie Mikadostangen in den Himmel und das Reiterdenkmal von Antonio Maceo wirkt vor dem karibischen Himmel sehr beeindruckend. Die kleine Wächterin am Bildrand vermittelt einen Eindruck von den Dimensionen. Im Anschluss geht es zum Friedhof auf dem Fidel Castro und auch die Familie Bacardi zur Ruhe gebettet wurden. Die Wachablösung jede halbe Stunde sollte man sich nicht entgehen lassen.

 

 

 

 

 

 

Die Wachablösung wird untermalt von heroischer Musik, die Soldaten führen einen perfekt choreografierten Stechschritt vor, wer so was noch nicht gesehen hat, sollte sich das definitiv nicht entgehen lassen.

Danach geht es weiter im Programm, wir fahren mit dem Chevi durch die Vorstadt von Santiago, in Kürze werde ich noch einen kleinen Videofilm online stellen, der ein paar dieser Eindrücke festgehalten hat.

Die Vorstädte unterscheiden sich nur in den Ausmaßen von Holguin, die Bausubstanz ist die gleiche, bunte Häuser, allesamt in eher schlechtem Zustand, eng bebaut, mit schmiedeeiseren Gittern oder Schlagladen statt Fenstern. Es sind viele Menschen auf den Straßen, es herrscht ein buntes Treiben.

In einer Bucht verlassen wir unsern Oldtimer und wechseln das Transportmittel, mit dem Katamaran geht es durch eine Bucht zu einer kleinen Insel auf der ein hübsches Restaurant mit unserem Mittagessen wartet.

 

 

 

 

 

 

Das Essen ist lecker. Die Luft wunderbar, die Temperaturen liegen in unserem Urlaubsmonat November bei rund 26-27 Grad. Ein sanfter Wind sorgt für regelmäßige Erfrischungen. Eine Jacke haben wir nie gebraucht, aber lange Hose zum Schutz gegen die Moskitos, zumindest an unsere Küste auf jeden Fall. Am besten hat Anti Brumm forte gewirkt, das hält die kleinen Plagegeister auf Abstand.

Nach dem Mittagessen setzen wir wieder mit dem Katamaran über und es geht in die Innenstadt von Santiago de Cuba. Die Kathedrale Nuestra Señora de la Asunción in Santiago de Kuba muss man unbedingt fotografieren, sie ist ein Muss! Das Gotteshaus wurde jedoch erst 1922 fertig gestellt und ist eine von mehreren Nachbauten der 1555 errichteten Holzkirche, die in einem Feuer zerstört wurde. (Quelle: Wikipedia)

Die Kathedrale Nuestra Señora de la Asunción in Santiago de Kuba

Das Santiago de Cuba Diego Velazquez Museum

 

Das Santiago de Cuba Diego Velazquez Museum sehen wir auch, gehen allerdings nicht hinein, weil wir die Atmosphäre der Stadt noch ein bisschen genießen wollen.

Wir streifen durch die Stadt, sehen uns Fußgängerzonen/Einkaufspassagen an, zuerst geführt von unserem Tourguide, später auf eigene Faust.