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Bali

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Vor uns liegen riesige Reisterrassen, exotische Vogelstimmen erklingen um uns herum. Reisbauern lachen uns freundlich entgegen, ich frage mit einer Geste, ob ich ein Foto machen darf, sie freuen sich und lachen mich überschwänglich an. Was für nette Menschen, denke ich bei mir und strahle zurück. Ihre Haut verrät die harte Arbeit unter der kräftigen Sonne in der Nähe des Äquator. Es ist durchweg mit 30 Grad zu rechnen.

Aber es spricht keine Erschöpfung aus den freundlichen Augen, nein, es spricht eine Offenheit und eine Warmherzigkeit daraus, die man bei uns bisweilen vergeblich sucht. Diese Freundlichkeiten macht diese Faszination aus. Bali ist ein riesiges buntes Füllhorn für Menschen, die sich für Land und Leute interessieren. Es sind nicht die Strände und die Luxusresorts, nein, es ist etwas, was man quasi kostenlose dazu bekommt, eine Lehrstunde in Sachen Lebensglück. 

Aber fange ich besser mal von vorne an.

Wir kommen mitten in der Nacht auf der Insel Bali an. Der Flieger landet mit einer leichten Verspätung. Bis wir die Koffer haben vergehen weiter 90 Minuten, wir quälen uns durch ein paar unendlich erscheinende Schlangen von Einheimischen und Urlaubern bis wir endlich unser Taxi erreichen.
Wir treten raus und es umfängt uns eine Luft wie aus dem Tropenhaus im Zoo. 29 Grad in der Kombination mit hoher Luftfeuchtigkeit. Ich mag es warm. Ich bin eine ewige Frostbeule und froh, auf Reisen nicht zu frieren.

Bis wir auf dem Zimmer sind und endlich die Füße hochlegen können ist es 2.30 Uhr in der Nacht. Für den nächsten Morgen habe ich bereits vor Wochen eine Tour vorbestellt, der Kontakt über Facebook stellt sich für uns als wahrer Glücksgriff heraus. Ich verlinke ihn gern hier.

https://www.facebook.com/donny.wirawan.50

Donny, ein sehr sehr engagierter Tourguide erwartete uns um 10.00 Uhr in der Hotellobby und nimmt uns mit auf eine erste Entdeckungstour über seine Insel. Mit sehr gutem Deutsch verrät er uns viel über Land und Leute, immer fröhlich , immer gut gelaunt.
Wir starten mit einem Wasserfall, den er uns zeigt, er weiß ja noch nicht, wie ich genau ticke, und somit beginnt er mit einem schönen Naturschauspiel. Der Wasserfall ist wirklich schön und ein Touristenmagnet. In einem Talkessel gelegen, stürzt das Wasser in die Tiefe, wo viele Menschen die Dusche unter der aufspritzenden Gischt genießen.


Das er uns diesen Platz zeigt, ist lieb gemeint, aber ich will das wahre Bali, ich will es geballt, als Druckbetankung, ich brauche Input für mein Fotografenherz, welches sich so gerne mit Menschen auseinander setzt. Menschen die ihrem Tagwerk nachgehen, Fotos von Menschen, mit denen ich eine Geschichte erzählen kann, ohne auch nur ein Wort darunter zu schreiben zu müssen. Ja, ich liebe die Reportage.

Mit dem nächsten Stopp zerstreuen sich meine Bedenken bezüglich der fotografischen Ausbeute schon. Wir halten an einem Tempel, der gerade von Dorfbewohnern geschmückt wird. Ich versuche ein paar Fotos von den Arbeiten zu schießen und werden mit vielen intensiven Bildern belohnt. Natürlich frage ich die Leute vorher, das funktioniert überall auf der Welt nonverbal gleich.
Der Hinduistische Tempel erstrahlt schon jetzt in Weiß, Gelb–und Goldtönen. Und das Fest hat noch nicht einmal begonnen. Alles wird mit einer solchen Hingabe und Freude von Hand gefertigt, es ist einfach toll.

Donny macht uns auf einen kleinen Friedhof gegenüber des Tempels aufmerksam, ich schaue zweimal hin, die kleinen Grabsteine werden von Hakenkreuzen geziert, aber das ist hier ein uraltes Symbol für die Fruchtbarkeit und das Glück und wurde bereits 10.000 Jahre vor Christus in Asien verwendet.


Der nächste Stop ist ein Wassertempel.
Der wunderschön angelegte Tempel ist eine Perle und man sollte ihn auf jeden Fall besuchen. Er nennt sich Pura Gunung Kawi Sebatu.


Die Anlage ist in einem kleinen Tal gelegen, von der erhöhten Straße hat man einen guten Überblick über die vielen verschiedenen Gebäude. Zum Tempel kommen die Hindus um sich rituell zu waschen, zudem verspricht die Quelle auch Heilung und ewige Jugend, na ja, schauen wir mal, vielleicht hätte ich mich besser mal ein paar Stunden in das heilige Wasser gelegt, dann hätte es noch was gebracht. Nur Spaß. Aber ich war ja zu sehr mir Staunen beschäftigt.


Ein Mann betritt die unter freiem Himmel gelegenen Wasserbecken, und vollzieht seine Waschung an jeder der Quellen, die für etwas anderes gut ist.
Gleichzeitig legt er ein paar Opfergaben ab, die man hier auf Bali an jeder, wirklich jeder Ecke sieht. Auf den Bürgersteigen, in Geschäften, überall bringt man dem Gott, der vielerlei Gesichter haben kann, Opfergaben.

Der Wassertempel inmitten dieser üppigen Vegetation ist ein wirkliches Highlight. Wir hören aus einem anderen Becken ausgelassene Stimmen. Die Bevölkerung genießt ein gemeinschaftlichen Bad, die Geschlechtern sind getrennt durch eine Mauer. Die Menschen haben schlichtweg Spaß und das ist ansteckend.

Wir fahren weiter Richtung Reisterrassen und kommen an einer nicht enden wollenden Folge von Kunsthandwerksläden vorbei. Es gibt so viele tolle Künstler auf Bali, es ist unfassbar.
Wir halten für eine Mittagspause und genießen den Aufenthalt im Restaurant, mit wunderschönen Terrassen, diese sind in verschieden Höhen angelegt, ähnlich der Reisterrrassen, und geben den Blick in eine üppige, Dschungel ähnliche Landschaft frei. Das Tal vor uns fällt nahezu senkrecht ab und auf der anderen Seite ragt es wieder geschwungen steil empor. Ja, das könnte hier auch der Amazonas sein.

Der Service ist, wie bisher überall auf Bali super freundlich, das Essen lecker und frisch zubereitete. Es gibt eine Mischung aus Hühnchen und Gemüse im Bananenblatt und andere Leckereien zu günstigen Preisen.

Auch dieses Lokal hätten wir ohne unseren tollen Tourguide nie kennengelernt. Ich kann nur jedem empfehlen sich einen Ortskundigen zu buchen und sich von ihm die Hotspots zeigen zu lassen. So kann auch viel individueller auf die eigen Wünsche reagiert werden. Aber ich schweife ab, wir waren beim Essen und die Auswahl fällt schwer.
Gut gestärkt geht es weiter zu den Reisterrassen.

Wir sind ein wenig abseits der üblichen Touristenspots geblieben, dafür bin ich Donny sehr dankbar. Wir blicken in ein weites Tal, überall wurden Terrasse um Terrasse von Hand angelegt, um den für die Balinesier so wichtigen Reis anzubauen. Das Grün ist üppig und ich kann mich gar nicht satt sehen an dieser wundervollen Landschaft. Das Licht ist magisch, hier in den frühen Morgenstunden zu fotografieren ist bestimmt eine Offenbarung. Wenn ich es schaffe, werde ich das auf jeden Fall noch machen.


Immer mal wieder entdecken wir Reisbauern die mühsam das Unkraut aus den Reispflanzen zupfen. Der Reisanbau ist eine wirklich harte Arbeit, die von Männern und Frauen gleichermaßen verrichtete werden muss. Überall auf unserer Fahrt sehen wir Reis zum Trocknen auf Decken ausgebreitet, auf der Straße liegen. Abgepackt wird der Reis dann in Säcken, die 40 Kilo wiegen.
Wir steigen den Berg hinab Richtung Reisterrassen und begegnen zwei Männern die mit jeweils zwei Lasten, verbunden mit einem Stock, den Berg hinaufsteigen. Unser Tourguide sagt etwas in der Landessprache, sie lachen, freundlich werden die Touristen gemustert, strahlt man eben so freundlich zurück ist das Eis gebrochen, macht man noch einen Spaß mit, in meinem Fall reicht man mir diesen traditionellen kegelförmigen Reisstrohhut, den ich prompt aufsetze und ein paar Faxen mache, so hat man neue Freunde gewonnen. Das Lachen der beiden Männer ist so herzlich und ehrlich.

Das Leben kann so unfassbar leicht sein. Man muss sich vielleicht nur nicht immer so wichtig nehmen. Ein Lächeln öffnet dir hier so viele Türen. Wie sehr haben wir das bei uns zuhause nötig. Gewöhne dir hier auf Bali an, jeden anzustrahlen und es schlägt dir diese grenzenlose Offenheit und Herzlichkeit der Menschen entgegen.

Vorbei geht die Fahrt an Reisfeldern, die gerade abgeerntet werden. Auch hierfür sollte man sich ein paar Minuten Zeit nehmen.
Wir stoppen auch noch mal an einer Werkstatt für Hozschnitzerei, und nein, es ist nicht so, wie in manch anderen Ländern, dass du gezielt irgendwo hingekarrt wirst und du dann kaufen sollst. Die Familie die hier gemeinschaftlich schnitzt ist stolz auf ihre Arbeit und präsentiert diese gerne. Sie freuen sich über unser Interesse. Ich habe eine so große Achtung vor dem handwerklichen Talent dieser Künstler. Sie schaffen so irrsinnig schöne Dinge hier, alles mit ein bisschen Handwerkszeug und ohne einen großen Maschinenpark. Pure Geschicklichkeit.

http://www.adagaruda.com

Nach all den Eindrücken quält sich unser Fahrer und Tourguide durch den Verkehr Richtung Denpassar und Legian zurück. Und wenn ich schreibe quälen, dann meine ich das auch genau so. Ich war ja gewarnt, meine Freundin sagte mir schon, dass die auf Bali recht „spannend“ fahren, dass es aber so krass sein würde, hätte ich mir nicht vorstellen können. Der Verkehr um Denpassar ist sehr dicht, es sind zu den vielen Autos aber auch Millionen von Rollern und Motorrädern auf der Straße die ständig Zickzackkurs fahren. Von Sicherheitsabstand und vorausschauendem Fahren hat hier noch niemand gehört. Jeder fährt , wie er meint. Die Bürgersteige längs der Geschäfte werden auch gerne mal von Mofafahrern genutzt, die besser und schneller durchkommen wollen, bei Einbahnstraßen in der entgegengesetzten Richtung. Da wird der Fußgänger entweder weggehupt oder umschifft, schlimmstenfalls touchiert. Das ist schon besonders, so was hab ich noch nirgends erlebt. Ich denke, die meisten Unfälle auf Bali passieren tatsächlich mit Rollern.

Der Strand von Kuta, Legian und Seminyak
Wenn man an Bali denkt, dann hat man ja direkt kristallklares Wasser und weiße Traumstrände vor Augen, mir ging es jedenfalls so. Als wir zum ersten Mal an unserem zweiten Urlaubstag auf Bali an den Strand kommen ist es eine herbe Enttäuschung. Der Strand von Legian grenzt an den berühmt berüchtigten Strand von Kuta, bzw. geht nahtlos in diesen über. Es ist mega voll, der Strand ist zwar breit, aber er hat eher was vom Playa de Palma als von meiner Traumvorstellung. Wir hatten uns vorher informiert, schwimmen ist hier eh schwer, weil es eine starke Brandung gibt, die bei Surfern natürlich beliebt ist, aber dass es in der Zwischensaison schon so voll ist, damit hätte ich nicht gerechnet. Wir wenden uns nach links Richtung Kuta und gehen los. Man wird oft angesprochen, manche wollen uns Schirme oder Liegen vermieten, andere wieder eine Massage verabreichen, Maniküre, Fächer verkaufen, na ja, kurz gesagt, sind die Verkäufer schon sehr aktiv. Wir lehnen immer freundlich ab, das klappt auch gut, bis auf ganz wenige Ausnahmen, wo die Händler schon recht aufdringlich waren. Das muss man aber wissen, wenn man in diese Richtung geht. Wir laufen bis zur Höhe des berühmten Hardrock Cafés und schauen uns dort mal um.
Ich mag es hier sofort und ich weiß, dass ich hier noch mal in Ruhe hin muss.

Zurück gehen wir an den Geschäften vorbei, hier finden Shoppingwillige alles, was man so braucht, oder auch eben nicht braucht. Klamotten, Schnitzereien, Touristen–Schnick Schnack, alles wird feil geboten und jeder Händler, also wirklich jeder, spricht dich an. Verständlich, die Leute müssen ihre Familien ernähren und Touristen wirken auf Balinesen allesamt wie Millionäre. Der oben erwähnte Verkehr trübt das Shoppingerlebnis erheblich. Oh man, was für ein Chaos. Und das ist überall in dem Großraum Kuta so. Wir sind sehr lange unterwegs, bis wir unser Hotel erreichen, lassen uns aber nicht verunsichern, gehen in ein Spa und genießen eine Stunde Massage und Ruhe für wirklich kleines Geld und essen etwas abseits, in einem kleinen Warung, ein leckeres Mittagessen.

Und wieder einmal denke ich, dass die Einwohner so freundlich und nett sind und immer glücklich wirken. Abends genießen wir noch den Sonnenuntergang am Strand, überall sind Stühle oder bequeme Sitzsäcke aufgestellt und es werden Getränke angeboten, die man sofort gebracht bekommt, unsere deutsche Servicewüste vermisse ich gerade gar nicht. Die Balinesen fragen uns ganz häufig, woher wir kommen, wie es uns gefällt, was wir uns schon angeschaut haben, denn jeder ist interessiert an den Gästen, man hat auf Bali gar kein Problem mit den Einheimischen in ein Gespräch zu kommen. Am Strand setzt sich der freundliche Balinese, dessen „Strandshop“ wir gewählt haben, einfach mal eine Minute dazu um mit uns zu reden. Und da ist sie wieder, diese unfassbare Freundlichkeit.

Wir sind ein wenig abseits der üblichen Touristenspots geblieben, dafür bin ich Donny sehr dankbar. Wir blicken in ein weites Tal, überall wurden Terrasse um Terrasse von Hand angelegt, um den für die Balinesier so wichtigen Reis anzubauen. Das Grün ist üppig und ich kann mich gar nicht satt sehen an dieser wundervollen Landschaft. Das Licht ist magisch, hier in den frühen Morgenstunden zu fotografieren ist bestimmt eine Offenbarung. Wenn ich es schaffe, werde ich das auf jeden Fall noch machen.
Immer mal wieder entdecken wir Reisbauern die mühsam das Unkraut aus den Reispflanzen zupfen. Der Reisanbau ist eine wirklich harte Arbeit, die von Männern und Frauen gleichermaßen verrichtete werden muss. Überall auf unserer Fahrt sehen wir Reis zum Trocknen auf Decken ausgebreitet, auf der Straße liegen. Abgepackt wird der Reis dann in Säcken, die 40 Kilo wiegen.
Wir steigen den Berg hinab Richtung Reisterrassen und begegnen zwei Männern die mit jeweils zwei Lasten, verbunden mit einem Stock, den Berg hinaufsteigen. Unser Tourguide sagt etwas in der Landessprache, sie lachen, freundlich werden die Touristen gemustert, strahlt man eben so freundlich zurück ist das Eis gebrochen, macht man noch einen Spaß mit, in meinem Fall reicht man mir diesen traditionellen kegelförmigen Reisstrohhut, den ich prompt aufsetze und ein paar Faxen mache, so hat man neue Freunde gewonnen. Das Lachen der beiden Männer ist so herzlich und ehrlich.

Das Leben kann so unfassbar leicht sein. Man muss sich vielleicht nur nicht immer so wichtig nehmen. Ein Lächeln öffnet dir hier so viele Türen. Wie sehr haben wir das bei uns zuhause nötig. Gewöhne dir hier auf Bali an, jeden anzustrahlen und es schlägt dir diese grenzenlose Offenheit und Herzlichkeit der Menschen entgegen.

Vorbei geht die Fahrt an Reisfeldern, die gerade abgeerntet werden. Auch hierfür sollte man sich ein paar Minuten Zeit nehmen.
Wir stoppen auch noch mal an einer Werkstatt für Hozschnitzerei, und nein, es ist nicht so, wie in manch anderen Ländern, dass du gezielt irgendwo hin gekarrt wirst und du dann kaufen sollst. Die Familie die hier gemeinschaftlich schnitzt ist stolz auf ihre Arbeit und präsentiert diese gerne. Sie freuen sich über unser Interesse. Ich habe eine so große Achtung vor dem handwerklichen Talent dieser Künstler. Sie schaffen so irrsinnig schöne Dinge hier, alles mit ein bisschen Handwerkszeug und ohne einen großen Maschinenpark. Pure Geschicklichkeit.

Nach all den Eindrücken quält sich unser Fahrer und Tourguide durch den Verkehr Richtung Denpassar und Legian zurück. Und wenn ich schreibe quälen, dann meine ich das auch genau so. Ich war ja gewarnt, meine Freundin sagte mir schon, dass die auf Bali recht „spannend“ fahren, dass es aber so krass sein würde, hätte ich mir nicht vorstellen können. Der Verkehr um Denpassar ist sehr dicht, es sind zu den vielen Autos aber auch Millionen von Rollern und Motorrädern auf der Straße die ständig Zickzackkurs fahren. Von Sicherheitsabstand und vorausschauendem Fahren hat hier noch niemand gehört. Jeder fährt , wie er meint. Die Bürgersteige längs der Geschäfte werden auch gerne mal von Mofafahrern genutzt, die besser und schneller durchkommen wollen, auch bei Einbahnstraßen in der entgegengesetzten Richtung. Da wird der Fußgänger entweder weggehupt oder umschifft, schlimmstenfalls touchiert. Das ist schon besonders, so was hab ich noch nirgends erlebt. Ich denke, die meisten Unfälle auf Bali passieren tatsächlich mit Rollern.

Und wieder einmal denke ich, dass die Einwohner so freundlich und nett sind und immer glücklich wirken. Abends genießen wir noch den Sonnenuntergang am Strand, überall sind Stühle oder bequeme Sitzsäcke aufgestellt und es werden Getränke angeboten, die man sofort gebracht bekommt, unsere deutsche Servicewüste vermisse ich gerade gar nicht. Die Balinesen fragen uns ganz häufig, woher wir kommen, wie es uns gefällt, was wir uns schon angeschaut haben, denn jeder ist interessiert an den Gästen, man hat auf Bali gar kein Problem mit den Einheimischen in ein Gespräch zu kommen. Am Strand setzt sich der freundliche Balinese, dessen „Strandshop“ wir gewählt haben, einfach mal eine Minute dazu um mit uns zu reden. Und da ist sie wieder, diese unfassbare Freundlichkeit.

Dienstag, 8.30 Uhr
Vom Uluwatu Felsentempel am Meer und frechen Affen


Ja, man hat die Touristen gewarnt, überall stehen Schilder, dass die hier lebenden Makaken frech sind und klauen. Man sagt es extra noch mal per Lautsprecherdurchsage, aber nicht jeder Touri mag hören. Wir lassen unsere Sonnenbrillen schön im Auto und auch sonst haben wir nur schmales Gepäck dabei, verzichten auf Rucksack und Co, als wir vom Parkplatz aus durch den kleinen Wald Richtung Tempel gehen. Nach wenigen Metern treffen wir auf die ersten Vertreter ihrer Art, die sich noch recht harmlos geben. Erst mal am Tempel angekommen, zeigen die Affen ihr Geschick, da wird einer Chinesin die Sonnenbrille vom Kopf gerissen und der Affe ist erst mal weg damit, sehr zur Freude der restlichen Teilnehmer der Reisegruppe. Ja, wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen.


Der Guide der Gruppe ist wirklich bemüht dem Affen im Tausch gegen Futter die Sonnenbrille wieder zu entlocken und ein lustiges Spiel Mensch vs Makake beginnt. Die Sonnenbrille wird dem Affen irgendwann langweilig, ist aber in der Zwischenzeit auch nicht mehr zu gebrauchen.
Es trifft aber nicht nur die Ausländer, ein paar Tourguides haben sich in ein schattiges Plätzchen zurückgezogen und artig ihre Schlappen vor der Terrasse stehengelassen. Ein blöder Fehler, der auch hier wiederum prompt bestraft wird, unter schallendem Gelächter der andern Touristenführer bemüht sich der Bestohlene um Schadensbegrenzung. Die Sandale ist nach der Spezialbehandlung durch den ausgewachsenen Affen mit seinen stattlichen Zähnen auch nur noch ein Fall für den Mülleimer.

Die nächste Tour steht an, Tanah Lot Tempel, also der bekannte bekannte Meerestempel ist eins der touristischen Highlights, die man gesehen haben muss. Und es sind an dem Tag wo wir hinfahren nicht nur Ausländer dorthin unterwegs, nein, es finden sich auch viele Besucher der Nachbarinseln ein, weil gerade Tempelfest ist. Es ist natürlich voll, es wäre auch fast seltsam gewesen es nicht voll zu erwarten.

Unendlich viele Statuen sind in weiß und gelb geschmückt, die Frauen und Männer haben sich herausgeputzt, ganze Familien sind auf dem Weg zu diesem Fest. Die Einheimischen haben kein Problem, dass sich auch Ausländer unters Volk mischen, Hauptsache sie verhalten sich respektvoll, was man aber generell ja überall machen sollte.

Die fremden Klänge eines Gamelanorchsterers hallen über das Gelände, der Felsenstrand ist voller Menschen aus aller Herren Länder. Wir sehen Inder, Chinesen, Japaner, Australier und auch europäische Gesichter und natürlich viele Einheimische die zu dem Fest gekommen sind. Donny sagt uns, dass es hier jeden Tag voll ist, aber wegen des Tempelfestes eben extrem. Dafür bekomme ich auch jede Menge toller fotografischer Eindrücke geboten, die ich nicht missen möchte, besonders als ich die Vorbereitungen fotografieren darf.

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Buddhistischer Tempel der Chinesen


Bali ist vom Hinduismus geprägt, ist aber auch tolerant gegenüber anderer Glaubensrichtungen. Weil es auf dem Weg liegt machen wir noch einen kleinen Abstecher in einen buddhistischen Tempel, der auch wirklich schön ist. Die Luft riecht intensiv nach Räucherstäbchen, die hier bündelweise angezündet werden. Auch hier lächeln uns die Leute wieder freundlich an, weil wir uns interessieren.

Balinesisches Privathaus, Familienbande
Donny schlägt uns vor, das Haus balinesischer Familie zu besuchen, die heute noch so traditionell lebt, wie die Leute auf dem Land außerhalb der Ballungsräume es eben zun.

Sie öffnen es bereitwillig den Fremden, damit diese auch einen Eindruck von der Lebensweise der Balinesen bekommen. Die traditionellen Häuser sind eher zurückgezogen, hinter einer hohen Mauer und umfassen immer mehrere Gebäude. Ein Gebäude davon ist immer speziell und ausschließlich zum Kochen vorgesehen. Das Essen wir morgens von den Frauen zubereitete und kommt nach Fertigstellung in eine Art Schrank und steht der Familie zur Verfügung, wer Hunger hat, bedient sich. Gemeinsame Malzeiten wie bei uns sind eher unbekannt.

Ich befürchte erst ein Besuchserlebnis wie im Freilichtmuseum in Commern, aber ich werde eines besseren belehrt. Wir sind die einzigen Besucher. Die Familie bestreitet ihren ganz normalen Tagesablauf hier, sie sperren nicht nach 17.00 Uhr zu und fahren zu Ihrem Stadthaus mit Klimaanlage. Sie leben genau so, kochen auf offenem Feuer, holen das Wasser aus dem Brunnen, halten Hühner und ein Hausschwein zur Selbstversorgung, betreiben ein Kochhaus, einen eigenen Tempel, der der Größe des Hofes angepasst ist, leben mit mehreren Generationen unter verschiedenen Dächern. Da lasse ich einfach mal die Fotos sprechen, hier bedarf es nicht vieler Worte. Ach ja, eins vielleicht noch, sie wirken sehr glücklich.

Nach diesem überraschenden und schönen Erlebnis fahren wir ein Stück weiter und stärken uns bei einem Essen direkt an den Reisterrassen.

Natürlich wollen die Einheimischen an den Touristen verdienen, mir sind allerdings Familienunternehmen lieber als kommerzielle Holzschnitzereien die alles auf das Verkaufen ausgerichtet haben. Eine solche Firma besuchen wir kurz, halten uns aber nicht lange dort auf.  Ein paar Arbeiter sitzen draußen auf dem Präsentierteller und zeigen ihr Können, was zugegebenermaßen beeindruckend ist, aber der Busparkplatz und der Marmorverkaufsraum schrecken mich eher ab. Das sollte man meiden und lieber am Straßenrand nach Familienbetrieben Ausschau halten oder einen erfahrenen Tourguide fragen.

Tempelfest, Hinduistischer Tempel
Als letzten Programmpunkt entdeckt Donny auf unserer Fahrt Richtung Hotel noch einen Hinduistischen Tempel, der gerade für ein Tempelfest vorbereitet wird. Auch hier finde ich wieder tolle und intensive Motive, die mein Fotografenherz höher schlagen lassen.

Zurück in Legian gehen wir die letzten paar Meter zu Fuß zum Hotel um ihm den Umweg durch die Einbahnstraße am Hotel zu ersparen. Allein die paar Meter sind schon wieder verstörend, aber wir kennen es ja jetzt schon. Es ist natürlich mal wieder voll, es sind natürlich auch wieder tausende von Rollern kreuz und quer unterwegs, auch auf dem Fußweg und wenn es sein muss, und man dadurch Zeit spart, auch gerne mal in der verkehrten Richtung. Man sollte sich also darauf gefasst machen, zumindest in Kuta und Legian seine Augen überall zu haben.

Markt in Tabanan
Ja, ich liebe Märkte, immer noch und überall. Der Markt in Tabanan, der auch genau so heißt wie die zweitgrößte Stadt Balis ist interessant, auch hier empfiehlt sich ein Ortskundiger, denn die Gassen sind nicht ganz so einfach zu finden und vieles muss man einfach erklärt bekommen. Ich mag das nahezu düstere dieses Marktes, es hat eine ganz eigene Stimmung, es ist eng, verwinkelt und wie immer sehr herzlich. Man lässt uns Reiskuchen probieren und Erdnussgebäck, die gebackenen Bananen sind super, es gibt Eier, Fisch und Gemüse, aber auch Reis, Hülsen-und Trockenfrüchte.
Hier versorgen sich die Anwohner mit allem, was sie zum täglichen Leben brauchen und es ist ganz anderes, als das, was man in den Touristenhochburgen so angeboten bekommt.

Reisterrassen, UNESCO Weltkulturerbe

Die Jatiluwih Reisterrassen sind eine wirklich beeindruckende Kulturlandschaft, soweit das Auge reicht kann man die von Hand angelegten Reisterrassen bewundern, die überwiegend auch von Hand bewirtschaftet werden. Der Ausblick ist fantastisch und die Fahrt hinaus lohnt sich auf jeden Fall.

Kleines Dörfchen mit typischen Häusern liegt noch auf unserem Rückweg zum Hotel.
Abends lassen wir den Tag noch mit einem Bier am Strand bei Sonnenuntergang ausklingen.

Der Freitag war wieder mal ein sehr abwechslungsreicher Tag, hier auf Bali. Früh starten wir zu einer traditionellen Tanzaufführung (Legong) die auf einer Freilichtbühne stattfindet. Wir fahren ein bisschen früher los, um bei den Vorbereitungen dabei sein zu können. Die Akteure schminken sich aufwändig und die Kostüme sind sehr sehr detailverliebt hergestellt. Die Musik (Gamelan) ist exotisch fremd und wird von gut 15 Männern auf Xylophon ähnlichen Instrumenten gespielt, die man mit Hämmerchen bearbeitet.
Man reicht uns vorher eine Erklärung, so dass wir der gut einstündigen Vorführung auch inhaltlich folgen können. Da geht es um Königssöhne, Hexen, böse Geistern und den ewigen Kampf Gut gegen Böse, der mit sehr viel Aufwand und Hingabe dargeboten wird. Es ist auch die gleiche Aufführung, die die Einheimischen bei den Tempelfesten geboten bekommen.

Weiter geht es zum Holzschnitzerdorf. Die Balinesen sind ja so begabte Künstler. Die Masken und Dämonenfiguren sind so wunderschön, man könnte der Herstellung stundenlang zuschauen.
Irgendwann können wir uns aber dann doch trennen und fahren weiter ins vulkanische Hochland und genießen bei einem leckeren Essen auf einer Aussichtsterrasse den Blick auf den Vulkan und den Vulkansee ( Gunung Batur) zu seinen Füßen, der größte Vulkansee weltweit.
Weiter geht es zu einem privaten Gewürzgarten. Wir sehen, wo buchstäblich der Pfeffer wächst, entdecken Muskatnuss, Zimtbäume, Kaffee- und Kakaopflanzen, Nelkenbäume und vieles andere mehr, alle Pflanzen werden uns liebevoll demonstriert, es ist also eine Besichtigung für alle Sinne. Ein gutes Mückenspray hätte man hier gut gebrauchen können, als mir das einfällt, ist es leider schon zu spät und Arme und Beine sind zum Picknickplatz für Moskitos geworden. So schnell konnte ich gar nicht schauen. Statt Chanel Nr. 5 sollte man hier besser immer einen Hauch Antibrum tragen, zumindest in der Nähe der üppigen Vegetation.

Mein persönliches Highlight ist aber die Kaffee- und Teeverkostung.
Ja, hier gibt es ihn, den weltberühmten Luwak-Kaffee. Was den Kaffee besonders macht, na, ganz einfach, jede frische Kaffeebohne hat ihren Weg durch die Luwakkatze genommen. Diese ist, sozusagen die teuerste Kaffeemaschine der Welt. Klingt genau so fies wie es tatsächlich ist. Die Katze frisst die Kaffeefrucht und kackt die Bohne, sorry für das Wort, also der Kern danach aus. Im Körper wird diese fermentiert und sorgt, nachdem sie eingesammelt, gründlich gereinigt und geröstet wurde für den besten und teuersten Kaffee überhaupt. Tja, muss man mal probiert habe, wo ich doch so eine Kaffeetante bin.
Also probiere ich ihn, obwohl ich zuvor gesagt habe, dass ich manche Erfahrungen doch nun wirklich nicht brauche. Ich trinke ihn schwarz, und er ist echt lecker. Ich bin ein bisschen stolz auf mich, weil ich so experimentierfreudig bin.

Der normale Kaffee wird in diesem Garten direkt vom Baum und nach dem Trocknen weiterverarbeitet und über offenem Feuer geröstet. Die Hausherrin hat ein genaues Auge auf den Röstprozess und ich bin begeistert von dem Aroma. Wir probieren neben dem Luwak Kaffee auch Vanillekaffee, Cocoskaffee, Ingwer-und Gingseng-Kaffee und ein paar Teesorten. Allein für die Auswahl liebe ich diesen Garten schon.
Und aus der Rubrik „Füttern und Streicheln“, ein relativ stattliches Exemplar von Flughund hängt in Streichelhöhe und lässt sich mit ein bisschen Obst von uns verwöhnen. Es ist ein wilder Flughund, ohne Käfig und auch nicht angebunden, ihm scheint aber das praktische Leben hier ganz gut zu gefallen, wo die Menschen dafür sorgen, dass er immer genug Früchte bekommt.
Hier sehen wir auch zum ersten Mal eine Luwakkatze live. Es soll hier ja viele davon frei-lebend geben.
Alles ganz spannend. Was für ein Tag. Auf der Rückfahrt hat uns dann das Verkehrschaos wieder, ich hab es ehrlich gesagt nicht wirklich vermisst.

Samstag Umzug ins Hotel Maya Ubut
Ich war selten so begeistert von einem Hotel, wie von dem Maya Ubut. Dieses Hotel ist wirklich eine Klasse für sich. Wunderschön an die Landschaft angepasst, fügt es sich zwischen Reisfeldern auf der einen und üppigem Dschungel mit einem urwüchsigen Flusstal auf der anderen, in die Landschaft ein, ohne zu stören. Die Anlage ist mehr als großzügig angelegt und ich beziehe eine hübsche Poolvilla mit Blick in der Regenwald.

Wenn man in diesem kleinen Infinitipool bis an den Rand schwimmt, kann man wunderbar die Vegetation im Tal bewundern. Eine grandiose Erfahrung. Vielen Dank für diesen Tipp an Michaela und Regina, die in den höchsten Tönen von diesem Hoteltraum schwärmten. Nach dem wir angekommen sind erkunden wir ein bisschen das Gelände, die Pools sind einzigartig schön an den Hang gebaut. Eine wahre Freude fürs Auge. Überhaupt besticht das Maya durch herausragende Architektur und einen brillanten Service.
Wir lassen uns mit dem Hotelshuttle in die City von Ubot fahren. Hier ist es, wie könnte es anders sein, laut, mega voll, der Verkehr ist mal wieder zum Abgewöhnen. Wir haben den Tipp bekommen unbedingt das Lotus Café zu besuchen, welches eins der ältesten Warungs in Ubut ist. Zauberhaft gelegen an einem Lotusteich mit Blick auf einen Tempel genießen wir hier ein gutes Essen. In der Nacht werde ich allerdings das Gefühl nicht los, dass mit dem Essen irgendwas nicht gestimmt hat, es kann aber auch einfach ein dusseliger Infekt vom Wasser sein. Der Brechdurchfall beginnt um 21.30 Uhr und hält sich bis in die frühen Morgenstunden dran. Mir ging es selten so schlecht. Ich hab ja immer behauptet, dass mir magenmäßig nicht viel was anhaben kann, das ändert sich in dieser Nacht.
Für den nächsten Tag stand eigentlich ein Ausflug auf dem Programm, ich wollte endlich einmal Schnorcheln gehen, aber meine Probleme halten mich davon ab, so dass ich unserem Guide Donny in der Nacht noch schweren Herzens absagen muss. Hatte ich erwähnt, dass er das ganz toll macht?
Die Touren mit ihm sind so informativ und bunt gemischte, so gut hätte ich es mir nicht vorstellen können.

Den Sonntag verbringe ich mit den Nachwirkungen und bleibe in der Anlage, mir blutet das Herz, dass ich dieses brillante Frühstück nicht probieren kann und auch die nächsten beiden Tage, worunter auch der Rückreisetag fällt, halte ich mich mit dem Essen sehr zurück. Sicher ist sicher. Am Montagmorgen schaue ich früh aus meiner kleinen Villa, die sich mit ihrem Reisstrohdach wunderbar in die Landschaft einfügt nach draußen. Die Luft ist feucht, heute Nacht hat es ordentlich geregnet, schwere Nebelschwaden hängen in der Luft und das Licht bricht sich wunderbar darin. Ich gehe fix los und mache ein paar Fotos von der Anlage, natürlich hätte ich die auch ein bisschen schicker machen können, aber so ganz fit bin ich ja noch nicht. Das Hotel wirkt zu keinem Zeitpunkt voll, auch nicht ansatzweise, überall genießt man genug Privatsphäre. Da es der letzte Tag ist, überlege ich, ob so ein Spaziergang durch die Reisterrassen nicht als kleiner Abschluss ganz nett wäre. Das Hotel bietet eine kurze geführte Tour von zwei Stunden an, für die wir uns auch entscheiden. Mit unserem englischsprachigen Guide verlassen wir das Hotel über einen Schleichweg und sind schon nach ein paar Minuten auf einem interessanten Weg vorbei am Flusstal. Wir passieren eine wunderschöne ausladende hölzerne Plattform, wie überall auf Bali ist das Bauwerk verschwenderischen schön mit Schnitzereien versehen und dient als Ort für Jogatreffen. Der Ausblick ins Tal ist atemberaubend schön, zeigt ein paar private Luxusvillen und die von Palmen und Bananenpflanzen durchwachsene Vegetation. Haushohe Bäume mit kunterbunten Blättern, die wir nur als Zierpflanzen kennen wuchern hier in einer opulenten Fülle. Der Nationalbaum, der Franngipanibaum (Tempelbaum) findet sich mit seinen zauberhaften, meist weiß/gelben Blüten, die eine fast wachähnliche Textur haben, an jeder Ecke, er ist den Balinesen heilig. Auch das mittelgroße Exemplar, welches direkt an dem Pool unserer kleinen Villa steht, wirft regelmäßig seine Blüten auf die Wasseroberfläche und zaubert uns dadurch ein Lächeln auf das Gesicht.

Weiter führt der Weg an ein paar Villen vorbei, als uns nach der nächsten Ecke ein beißender Brandgeruch in die Nase steigt. So schnell kann das gehen, eben noch das Paradies, jetzt die harte Realität. Es ist das Müllproblem, und sicherlich nicht nur das Probelm von Bali allein, sondern es ist globaler.
In der Stadt gibt es wohl eine Müllentsorgung, so sagt uns Donny, auf dem Land jedoch nicht. Also wurde der Müll bislang immer verbrannt, solange es früher nur Grünabfall war, war es nicht so schlimm, jetzt schwelt das Plastik, ein giftiger Rauch zieht durch den Wald, an den Bananenstauden vorbei, in unmittelbarer Nähe baden Kinder im Wasser.


Unser Tourguide kramt ein Taschentuch heraus und hält es sich vor Mund und Nase, er bedeutete uns, es ihm gleichzutun. Okay. Schnell weg hier.
Wir kommen zu einer Lichtung, die mehr wie eine wilde Müllkippe aussieht. Mir ist generell aufgefallen, dass hier sehr sorglos mit Plastik umgegangen wird, zu jedem noch so kleinen Ding bekommt man ungefragt Plastiktüten, die Getränke werden ja eh in den Einwegverpackungen gereicht und dann irgendwie entsorgt. Mir bricht es das Herz, wenn ich so etwas sehe, auch am Strand war teilweise jeder Quadratmeter mit Plastikabfall behaftet. Mal klein, mal groß, es ist furchtbar.

Irgendwann haben wir die Stelle hinter uns und erreichen die Reisterrassen. Die Landschaft öffnet sich und man kann über ein sanft ansteigendes Gelände schauen, allesamt von Hand geschaffen, ohne Einsatz von Maschinen. Das große Areal teilen sich 50 verschiedene Familien, erfahren wir und es wird eine japanische Reissorten anbaut, die 3-4 mal im Jahr geerntet werden kann. Wir sehen einige Reisbauern, die ihre harte Arbeit in der sengenden Sonne verrichten, rund um verhüllt, von Kopfbedeckung bis Handschuhen, schützt man sich gegen die Strahlen.

Die Reisbauern schneiden den Reis von Hand, sammeln die Abschnitte dann, dreschen ihn und breiten ihn in der Sonne aus, um ihn dort zu trocknen und schneller von den Hülsen trennen zu können. Geschält wird er dann maschinell. Das ist auch so eine Veränderung, früher aßen die Menschen hier den ungeschälten Reis, der sehr viel gesünder, aber auch schwerer verdaulich war, der geschälte Reis von heute ist deutlich bekömmlicher, führt nun jedoch zu anderen Krankheiten.

Das Gelände steigt weiter Terrasse um Terrasse an und je höher wir kommen, desto näher kommen wir den neu vorbereiteten Flächen. Frisch geflutet und plan gezogen, bereit für die neuen Pflänzchen. Der Weg zwischen den einzelnen gefluteten Bereichen ist sehr schmal, hier zahlt sich das feste Schuhwerk aus, was wir fürsorglich angezogen haben. Lehmig und rutschig wird es an manchen Stellen zudem noch. Auf dieser Tour kann man aber den gesamten Werdegang verfolgen, was sehr interessant ist. Das abgeerntete Feld wird zum Schluss abgebrannt und die entstehende Asche zur Düngung genommen, ein Schnelldurchlauf in Sachen Reisanbau in zwei Stunden visualisiert.

 

 

 

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Thailand, Khao Lak

Chinesisches Neujahrsfest im Hotel

 

Khao Lak und eine Erfahrung im Robinson Club

Der 15. Februar ist der Tag, an dem wir von Bangkok nach Khan Lak wechseln. Es geht wieder zurück zum Flughafen und in einem rund 70 minütigen Inlandsflug weiter nach Phuket. Der Flughafen dort wird gerade umfangreich umgebaut und somit herrscht ein gewisses Chaos, der Transit funktioniert, nachdem wir unseren Veranstalter gefunden haben aber problemlos und rund anderthalb Stunden später treffen wir in unserer nächsten Destination ein, dem Robinson Club Khao Lak. Vorweg muss ich sagen, ich habe noch nie Urlaub in einem Club gemacht, ursprünglich hatten wir ein anderes Hotel vorgesehen, dies scheiterte aber leider an der Verfügbarkeit der Zimmer und somit wurde mir vom Reisebüro dieses Hotel angeboten.

Da wir recht spät ankommen schickt man uns erst einmal zum Essen und wir checken danach erst in Ruhe ein. Die Anlage ist weitläufig und wirklich sehr schön gestaltet. Am nächsten Morgen ziehe ich um 7.00 Uhr mit der Kamera durch das noch verschlafene Hotel, also es ist alles wirklich sehr geschmackvoll gestaltet.

Der Club hat zum Zeitpunkt unseres Urlaubs erst 4 Monate geöffnet und ehrlich gesagt, waren die Bewertungen nicht auf allen Plattformen super gut. Meine gute Bekannte beim TUI Reisebüro hat mich jedoch beruhigt und gesagt, dass das schon einen hohen Standard hat, immerhin 5 Sterne und sie hat natürlich Recht gehabt. Das Essen war sehr sehr gut und die Anlage ist schick, da gibt es nix. Da gibt es von mir auch die volle Punktzahl.

Ein paar Punkte haben mir weniger gefallen. Zum einen diese Menschenmassen am Buffet zu den Öffnungszeiten waren nicht so mein Ding, aber das ist an Hotelbuffets auch nicht unbedingt ungewöhnlich, das würde ich noch nicht mal als ausgesprochen negativ bewerten, aber “deutscher Club – deutsche Gäste – deutsche Unarten.”
Ich sage es nur ungern, aber diese „deutsche Liegenreserviererei“ geht mit mega auf den Keks. Früh morgens zogen einige Gäste schon an den Strand und haben sich die „besten Plätze“ gesichert. Das ging soweit, dass wenn man dann im Laufe des Tages an den Strand wollte, keine einzige Liege mehr frei war, aber 80 % mit Handtüchern reserviert und verlassen waren. Abends lagen zum Teil auf den Liegen immer noch Handtücher. Das geht gar nicht. Ich will nicht den ganzen Tag am Strand rumliegen, aber mal so ein bis zwei Stunden nach dem Schwimmen ist ja schon schön. Da könnte vielleicht auch das Hotel mal steuernd eingreifen.

Der Strand des Clubs ist sonst traumhaft schön. Kilometerlang und feinsandig. Die Wellen sind nicht nennenswert, ich würde mal sagen wie in einer Badewanne.
Und eine Wassertemperatur von 28 Grad schafft die optimalsten Bedingungen, die gemütlichen Sitzsäcke sind super, wenn man abends am Meer einen Drink genießen möchte. Es ist schon ein echt schöner Platz. Man sollte aber einen guten Mückenschutz verwenden, die kleinen Plagegeister sind schon lästig, außer direkt am Meer, da ist keine unterwegs.

Unsere Zimmer sind etwas in die Jahre gekommen, denn vorher war der Club das Hotel Pullmann. Die Klimaanlage ist eine mittlere Katastrophe, zwischen Eisschrank und Tropennacht scheint es keine Einstellung zu geben, die Temperatur lässt sich zwar einstellen, doch die Anlage scheint ihren eigenen Willen zu haben. Es dauert zwei Tage und ich bin kräftig verschnupft. Na toll.

Egal, ich muss raus, muss mir das Land anschauen, ich bin ruhelos, besonders wenn ich weiß, dass auf mich so tolle Motive warten. So sind Fotografen/Innen wohl.

Wir planen also für die nächsten Tage ein paar Ausflüge.

Als erstes sehen wir uns das Tsunami-Museum in Khao Lak an. Dies kostet Eintritt, dieser wird aber zu 100 % für soziale Einrichtungen verwendet. Eine gute Sache also, die man unterstützen sollte. Es werden viele Bilder gezeigt und auch deutschsprachige Dokumentationen des ZDFs laufen in einem separaten Raum. Wir verlassen schweigend und mit einem dicken Kloß im Hals die Ausstellung, es verdeutlicht aber noch mal eindringlich welch furchtbare Auswirkungen der Tsunami am 26.12.2004 für die Region hatte, besonders die Vorher-Nachherbilder sagen mehr als tausend Worte. Allein in der Küstenregion Khan Lak starben damals mehr als 4.600 Menschen, insgesamt rund 230.000 bis 250.000, da gehen die Zahlenangaben der verschiedenen Medien stark auseinander.

Eins von drei Militärbooten ist direkt am Museum zu sehen, es wurde damals durch die Wucht der Wassermassen ins Landesinnere geschleudert und ist an Ort und Stelle verblieben.

 

Ich brauch dringend eine Ablenkung und so gehen wir auf die andere Straßenseite auf den Nachtmarkt von Khan Lak.

Das erste Abenteuer ist es schon mal, die starkbefahrene Straße unfallfrei zu überqueren. Der Zebrastreifen ist offensichtlich nur eine gut gemeinte Empfehlung für Autofahrer, aber kein wirklicher Grund zum Anhalten.

Zu den Märkten habe ich ja schon viel geschrieben und dieser ist sicherlich sehr touristisch, aber man kann sich gut und gerne ein paar Stunden dort aufhalten. Das Fotografenherz schlägt dabei natürlich auch wieder höher, aber auch das der Schnäppchenjägerin. Wer auf diesem Markt nicht feilscht, zahlt definitiv zu viel.

 

Am Sonntag unternehmen wir eine Tour auf eigene Faust mit dem Tuc Tuc nach Takuapa Old Town zum Sonntagsmarkt. Den Fahrer haben wir am Abend zuvor auf der Rücktour vom Khao Laks Nachtmarkt Markt kennengelernt und er war sehr nett, also habe ich ihn direkt für den nächsten Tag um 15.00 Uhr zum Hotel bestellt, da vom Hotel selbst nur normale Taxis buchbar sind. Wir mögen aber das Tuc Tuc Feeling, es gehört ja irgendwie auch zu Thailand.

Der Markt und die Stadt haben eine tolle Atmosphäre, Garküche an Garküche wechseln sich in unendlicher Vielfalt ab. Es gibt nahezu nur Einheimische dort, die sich selbst mit allerlei Leckereien versorgen. Wir probieren „knusprige Butter“ ein hauchzartes süßes Gebäck, was frisch zubereitet wird, Spieße und auch die köstlichen Cocospfannkuchen und tolle frische Mandarinen- und Beerensäfte finden wir. Eine frisch geöffnete Cocosnuss muss auch sein, ist ja schließlich gesund und lecker und mit ca. 50 Cent wirklich erschwinglich.

 

Zurück geht es durch eine Landschaft die „Kleiner Amazonas“ genannt wird und in der Tat erinnert der Regenwald und der Ausblick in die umliegenden Hügel sehr an diese Region.

Als nächste Tour nehme wir uns einen geführten Ausflug in die Phang Nha Bay vor. Andaman Sea Kayak Tour nennt sich das bei der TUI.

So richtig vorbereitet bin ich nicht, muss ich zu meiner Schande gestehen und somit lasse ich mich einfach von der Tour überraschen. Als Ganztagestour geht es morgens mäßig früh los. Wir werden mit einem Kleinbus abgeholt, an zwei weiteren Hotels werden weitere Ausflugswillige eingesammelt und es geht in einer 70 minütigen Fahrt Richtung Phuket.

Von einem recht unscheinbaren Hafen starten die 3 Schiffe in die umwerfend schöne Inselwelt. Wow, so schön hätte ich es mir niemals vorgestellt, atemberaubende Panoramen, türkisblaues Wasser und Zuckerhut gleiche grüne Inseln ragen steil bis zu 900 Meter aus dem Wasser. Die Landschaft erinnert ein bisschen an Kambodscha. Ich versuche diesen Zauber einzufangen, aber so recht will das nicht gelingen. Was bin ich froh, dass ich diese Tour gebucht habe, obwohl die junge Dame an der Rezeption im Robinson Club mir indirekt davon abgeraten hat. Sie meinet, es wäre eine ziemlich lange Tour „um ein paar Steine zu sehen“. Für mich ist es eine der schönsten Landschaften die ich je erlebt habe. *Memo an mich selbst: Frage keine 20-Jährige nach ihren Ausflugsempfehlungen, da sind die Interessen dann doch wohl zu verschieden.

Nach gut 1 Stunde und 20 Minuten kommen wir mittels Schiff unserm ersten Etappenziel näher. Wir stoppen vor einer der unzähligen Kalksteininseln mit winzig kleinem Strand und steil abfallendem tiefen Wasser davor. Die Schiffe gehen vor Anker und die Touristen über Bord, wahlweise zum Schwimmen oder zum Kanufahren. Ich denk nicht groß drüber nach und springe ins 28 Grad warme Wasser. Ein bisschen Schwimmen wird mir gut tun. Es ist einfach super. Ein paar andere Ausflügler haben Spaß mit den Booten, mit denen Sie die hochaufragenden Felsen erkunden können. Die kleine Pause ist den Gezeiten geschuldet, denn nur bei Ebbe werden wir später mit den Kanus in die bizarre Inselwelt hineinpaddeln können. Der Zugang zu der inneren Inselwelt ist nur durch ausgesprochen niedrige Höhlen möglich und man kann diese nur liegend im Kanu passieren und auch nur bei Ebbe. Für diese Paddeltouren bekommen wir aber alle einen erfahrenen Kanu-Fahrer an die Seite gestellt der die Arbeit übernimmt, was auch sehr gut so ist.

Nach dem ich wieder an Bord geklettert bin gehts weiter zum weltbekannten „James Bond Felsen“, den kennt man aus dem Film, „Der Mann mit dem goldenen Colt“.

Das dieser eher kleine Felsen so einen Hype auslöst und so stark besucht wird verstehe ich zwar nicht so ganz, aber es ist dennoch interessant. Ich bin froh, dass wir den Felsen nur vom Boot aus betrachten und dort nicht aussteigen müssen. Es ist so unsäglich voll, also das muss man schon wirklich wollen. Fototechnisch sicherlich schön, aber nicht zu der Tageszeit und nicht mit diesen Touristenströmen. Wohl dem, der abends, wenn die Ausflugsboote alle wieder abgezogen sind hier einen halbe Stunde ungestört fotografieren darf.

Es geht weiter zu den nächsten Inseln, die wir per Kanu entdecken sollen, oder ist es doch ein Kajak, ich kann es nicht sagen, es herrscht auch Uneinigkeit bezüglich der Begrifflichkeiten? Das Umsteigen auf die luftgefüllten Kanus ist gut möglich, ein bisschen Balance ist aber auch hier wieder nötig. Kurze Zeit hatte ich mir Gedanken gemacht, wie das mit der Fotoausrüstung und dem Wasser gehen soll. Vor dieser Tour habe ich mir noch eine wasserdichte Umhängetasche gekauft, die zumindest eine gewisse Sicherheit darstellt. Einmal auf dem Kanu packe ich die Kamera natürlich wieder aus und gehe das Risiko ein. Na ja, was solls, es ist einfach zu schön hier. Hier hätte ich auch gut die GoPro gebrauchen können, die ist allerdings auf dem Hotelzimmer geblieben, man kann ja nicht immer alles mitschleppen und das Badzeug musste ja auch noch mit.

Der Steuermann unseres Kanus paddelt auf ein Höhlensystem zu. Da sollen wir durchpassen? Echt jetzt? Ich verstaue meine Kamera sicherheitshalber gut und es geht mehr liegend als sitzend durch die erste Höhle, die bei Flut komplett unter Wasser steht. Nach ein paar Minuten wird es wieder heller und vor uns öffnet sich eine Lagune in der Insel, so kitschig schön, es ist kaum auszuhalten. Um uns herum ragen die Kalksteinfelsen nahezu senkrecht auf, hin und wieder zeigt uns der Guide einen freilebenden Affen und den bekannten Walking Fish, also die kleinen Fische die man bei uns Schlammspringer nennt und das Element Wasser verlassen um im Schlick nach Nahrung zu suchen, gut versteckt zwischen mangrovenähnlichen Wurzeln.

Gemütlich geht die Kanufahrt durch die Inselwelt weiter, das Wasser mäandert um immer neue Felsformationen, ein bisschen ist es wie Amazonas gemixt mit Gand Canyon. Dieser Part der Tour dauert rund eine Stunde und eine wasserfeste Sonnencreme mit sehr hohem Lichtschutzfaktor ist unumgänglich. Wir wechseln vom Kanu auf das Boot zurück und tuckern weiter, zwischendurch gibt es ein Mittagsbuffet mit thailändischen Curry- und Nudelgerichten. Alles sehr lecker.

Nächster Stopp ist eine neuerliche Höhle, diese ist diesmal höher, dunkler, sie wird von unzähligen Fledermäusen bewohnt, die die Tourguides mit Stirnlampen kurz beleuchten. Die Luft ist sehr stickig und es riecht durch die Exkremente der Tiere auch nicht wirklich gut. Nun ja, sagen wir es so, wie es ist, es stinkt schon extrem. Ein Erlebnis ist es dennoch. Die Höhlen werden von einigen Ausflugsschiffen heimgesucht, so dass es auch hier voll ist. Es kommt immer wieder zu Staus vor und in den Höhlen, weil sie zum Teil nicht von mehreren Kanus gleichzeitig passierbar sind. Das Rein und Raus aus dem System will also geregelt sein, ich fühle mich an den Straßenverkehr in Bangkok erinnert und muss schmunzeln. Die Fahrer sind sich uneins wer als nächstes dran ist und es wird lautstark diskutiert, die Touristen haben ihren Spaß. Vielleicht ist es auch einfach nur Teil der Show. Diese Paddelboottour dauert auch wieder eine gute Stunde und ist einfach toll.

Als wir uns dann am späteren Nachmittag auf den Heimweg machen dämmert es schon. Die Zuckerhüte sehen im Dunst der untergehenden Sonne wunderschön aus und ich beschließe diesen Ort irgendwann noch mal zu besuchen, er hat einen wirklichen Zauber.

Gegen 20.00 Uhr sind wir zurück im Hotel, und einfach nur glücklich.

 

Von Mönchen, Kindern und Mondkeksen

Ich möchte mehr von Thailand entdecken, irgendwie macht es süchtig.

Ich mag das pure Thailand, das Thailand, was die hier lebenden Menschen erleben. Die nächste Tour startet um eine etwas unchristliche Zeit, nämlich um 5.30 Uhr. Na gut, es ist früh, bei genauem Hinsehen sogar sehr sehr früh, aber noch nie habe ich es weniger bereut zu nachtschlafender Zeit aus dem Schlaf gerissen worden zu sein. Es finden sich nicht wirklich viele weitere Gäste auf dieser Tour, zwei Schweizerinnen sind schon in der Hotellobby, als wir dort ankommen, wir sind also nur zu viert, zzgl. Fahrer und unserer zauberhaften thailändischen Reiseleiterin als Tourguide Wie friedlich selbst ein Robinson Club sein kann, denke ich kurz, mit einem kleinen Lächeln auf den Lippen und nicht wirklich ernst gemeint.

Unsere Fachfrau für thailändische Kultur spricht gut deutsch und sie erzählt uns sehr viel über Land und Leute. Es geht zu einer Stadt die eher im Landesinneren gelegen ist. Takuapa, die hatten wir schon, aber zu der Uhrzeit erkennen wir sie nicht direkt wieder.  Ja ja, die Märkte, auch an diesem frühen Morgen steuern wir einen Markt an. Es ist noch stockdunkel und dennoch herrscht hier schon ein buntes und geschäftiges Treiben. Wir werden geplant Zeuge, wie sich die buddhistischen Mönche hier morgens ihr Essen für den Tag zusammenbetteln. Wobei betteln würde ich das nicht nennen. Die Mönche gehen die Straßen entlang und die gläubigen Thailänder kaufen auf dem Markt kleine, fertig zubereitete Essen und Getränke um es den Mönchen als Opfergabe zu überreichen. Im Gegenzug segnen die Mönche die Spender.

Die Mönche nehmen die Spenden entgegen und was sie nicht selbst essen, wird an bedürftige Menschen weitergegeben. Diese Mönche essen auch nur zwei mal am Tag, nach Mittag nimmt kein Mönch noch was zu sich.

Wir erhalten eine Einweisung durch unsere nette Tourleiterin, was kauft man, wie fügt man der Spende seine Wünsche an, wie übergibt man es dem Mönch. Wir lernen schweigend und schauen zu, wie die Einheimischen das machen. Es ist irgendwie ein sehr emotionaler Moment, warum rührt das alle so sehr? Ich kann es nicht in Worte fassen. Der Mönch ist schon betagt, er soll deutlich über 80 Jahre alt sein. Vielleicht ist es das Alter, vielleicht aber auch diese Magie, die dem Ritual innewohnt.

Zurückhaltend fotografiere ich weiter, ich kann mich nicht trennen.

Wir gehen weiter zum Morgenmarkt und stürzen uns ins Getümmel. Auch die Thais versorgen sich früh morgens mit dem fertig zubereitetem Essen. Manche kaufen noch Obst und Gemüse ein, manche Fleisch, manche getrocknete Fischchen.

Der Fleischstand ist nur was für Liebhaber. Die Fliegen ziehen ihre Kreise und bei der Wärme hätte ich hier kein Vertrauen in die Haltbarkeit. Vor uns prüft eine alte Dame die Qualität des Schweinefleischs. Sie testet, drückt hier und da und nimmt schließlich doch nichts. Wohl dem, der in der Fleischerei seines Vertrauens zuhause gekühlte Ware kaufen kann.

Auf heißen Platten werden lustige süße Backwaren hergestellt. Was es ist kann ich nicht mehr genau sagen, es schmeckt aber nicht schlecht. Die Informationen sind jedenfalls alle interessant, zu viel Informationen für mein nachlassendes Gedächtnis, vielleicht sollte ich mir demnächst echt mal Notizen machen.

Wir gehen um die Ecke in die nächste Seitenstraße und betreten eine Art Bar/Café, was es genau ist wird nicht so ganz klar. Man hat mir aber einen Kaffee versprochen, also bin ich natürlich vorneweg dabei. Es ist ein Frühstück, welches man für uns vorbereitet hat, es ist ja immer noch sehr früh, es dämmert gerade mal. Es ist ein thailändisches Frühstück. Die Dim Sum erkenne ich noch von dem Buffet im Anantara, (schweine-)fleischgefüllte oder auch mit Fisch gefüllte Nudeltaschen und eine Art Hefeklöße, die ebenfalls pikant fischlastig gefüllt sind. Eine besondere Spezialität sind in Asien ja die tausendjährigen Eier, die geviertelt präsentiert werden.

Diese Eier werden bei der Herstellung mehrere Monate fermentiert, eingelegt in Teeblätter, Sägespäne und gebranntem Kalk. Der Geruch erinnert an Ammoniak und da sich sonst keiner traut probiere ich ein Stück. Der Geschmack ist schon eher streng, wenn auch nicht so schlimm wie der Geruch befürchten lassen musste. Mit einer Mischung aus Faszination und Abscheu schauen mich alle Teilnehmer an. Der kritisch blickende Hausherr auch, aber ich meine eher eine Art des Unverständnisses aus seinem Gesicht zu lesen, wahrscheinlich weil ich die Köstlichkeiten nicht überschwänglich zu würdigen weiß, unwissende Touristen eben.

Ich mag ihn aber, er ist ein Typ, was für eine lustige Erscheinung mit dieser extrovertierten Brille. Alles in allem finde ich das Frühstück spannend, dafür bin ich hier, ich habe kein deutsches Brot und Marmelade erwartet. Alles probieren heißt die Devise.

Weiter geht es, wir schlendern durch die Straßen der Altstadt. Die Häuser sind zum Teil heruntergekommen, regelmäßig wird diese Stadt vom Hochwasser überflutet und die heutigen Generationen wollen sich das hier nicht mehr antun, sie sind weggezogen.

Die Stadt wirkt ruhig, etwas verlassen. Und überall diese abenteuerliche Verkabelung der Stromleitungen. Hier müssen wahrlich Elektrokasper am Werk sein, denke ich. Unsere Tourleiterin erklärt uns, dass jeder Haushalt in Thailand seine Verkabelung von der Hauptleitung an der Straße zum Haus selber legen darf. Ja, so sieht es aus.

Die nächste Station durch den thailändischen Alltag ist eine Schule. Ja, wir besuchen tatsächlich zur ganz normalen Morgenzeit eine Schule. Als wir ankommen sammeln sich die Kinder schon zum Hissen der Fahne und zum gemeinschaftlichem Singen der Nationalhymne. Ich höre fast den Aufschrei, wenn man das bei uns anbieten würde. Eine Gruppe ausländischer Urlauber, die die Kinder beim Morgen-Appell wie wild fotografiert und einen Blick in die Klassen werfen dürfte.

Die Schulkantine und den Kindergarten besichtigen wir ebenfalls. Undenkbar bei uns. Heute ist man als Fotograf schon auf ganz dünnem Eis unterwegs, wenn man bei Fotos von Kindern nicht einen Rechtsanwalt im Schlepptau hat.

Die Schule beherbergt rund 1300 Kinder, alle in Uniformen und schön nach Klassen aufgestellt, als die Schulkapelle die Hymne spielt. Danach wird gemeinschaftlich Gymnastik betrieben. Wir staunen, wie diszipliniert alles abläuft, echt süß, die Kleinen. Ich verzichte hier mal auf Einzelportraits.

Weiter geht die Tour zu einem chinesischen und danach zu einem buddhistischen Tempel. Im letzteren bewundern wir die genialen Wandgemälde die die Geschichte von Buddha darstellen. Unsere liebe Tourbeteuerin erklärt uns die Geschichten rund um die Wandbilder.

Was die Tour auch noch beinhaltet ist ein original thailändisches Mittagessen. Wie schauen interessiert bei der Zubereitung von Blätterteigfladen zu, geschickt wird der Teig ultraflach gezogen und hinterher brezelartig übereinander gedreht, so dass dann mittels Öl eine Art Blätterteig entsteht, der in einem flachen Wok in Öl ausgebacken wird. Er wird uns als Beilage zu einem Hähnchencurry gereicht. Für meine Augen sieht das schon scharf aus. Ich probiere und die Schärfe breitet sich langsam aber stetig im gesamten Mund aus. Die thailändische Küche ist scharf, manchmal sogar höllisch scharf für unseren Gaumen. Wo Einheimische nur müde drüber lächeln, lässt uns schon tränenüberströmt nach Luft schnappen.

Ich schmecke ein bisschen Cocosmilch, Kartoffeln und natürlich Hühnchen, Zitronengras und Koriander runden die ganze Komposition ab. Es ist wirklich lecker und das Gebäck  kann man zum Neutralisieren der Schärfe prima gebrauchen.

Zwei Punkte stehen noch auf dem Programm für diesen Ausflugstag, nämlich der Besuch eines kleinen Familienbetriebes der Mondkekse herstellt und eine Einrichtung, die den Opfern des Tsunamis einen Arbeitsplatz bietet und zusätzlich die Betreuung der traumatisierten Menschen gewährleistet. Bei der ersten Station treffen wir auf eine gut gelaunte Familie, die in reiner Handarbeit die verschiedenen Plätzchen herstellt, unterschiedlich gefüllt und recht süß, aber lecker, ein Päckchen der Kekse erhält jeder Tour-Teilnehmer noch geschenkt. Ich habe sie nach Deutschland mitgenommen.

Bei dem zweiten Stopp handelt es sich um eine Weberei, die tolle Stoffe und wiederum daraus allerlei Taschen, T-Shirts und Co fertigt. Ein sehr schönes Projekt. Was für ein prall gefüllter Ausflugstag und als wir zum Hotel kommen ist es gerade mal früher Nachmittag.

 


Thailand, Bangkok und Khao Lak

Eine Fotografin in Thailand

 

10.2.2018
Ich frage mich selber, was ich von Thailand erwarte. Hohe Temperaturen in Kombination mit hoher Luftfeuchtigkeit, Traumstrände mit weißem Sand und türkisfarbenem Meer, exotisch scharfes Essen und asiatische Freundlichkeit sind meine ersten Gedanken.

Na klar, ich denke auch an Elefanten, buddhistische Mönche und Megastädte wie Bangkok und natürlich an viele Fotomotive, möglichst weit weg von den üblichen Urlaubsbildern. Voller Euphorie stürze ich mich ins Abenteuer Asien. Nein, ich werde keine spektakulären Dinge tun, ich laufe nicht über heiße Kohlen, stoße mir nicht irgendwelche scharfen Klingen durch die Ohrläppchen und werde auch als Frau nicht allein in irgendwelche unsichere Stadtteile gehen, nur um sagen zu können, wie besonders mutig ist bin. Ich bin nicht mutig, ich bin nur neugierig und ich liebe das Fotografieren auf der Straße. Ich liebe den Streetstyle, das wahre Leben in meinen Urlaubsregionen.

Ich bin nur eine Fotografin auf Urlaub.

Wir starten unsere Tour diesmal von Bangkok aus, 4 Tage haben wir dieser Millionenmetropole zugedacht, ohne eine genaue Vorstellung davon zu haben, was uns erwartet. Ein bisschen habe ich mich eingelesen, habe nachgeschlagen was die Hotspots sind und was man nicht verpassen sollte. Bangkok empfängt uns abends auf einer rund einstündigen Taxifahrt Richtung Hotel mit unendlich vielen Hochhäusern, einem gut ausgebauten Straßennetz und einem ziemlichen Verkehrschaos zur Rushhour. Rund 12 Millionen Menschen wohnen und arbeiten in dieser Metropole.

 

Sobald wir die große Lebensader der Stadt, den Fluß Chao Phraya, überqueren ist es nicht mehr weit zu unserer Unterkunft, die direkt am Wasser liegt.
Unsere Wahl ist diesmal auf das Anantara Riverside gefallen, ein wirklich hausragend schönes Hotel mit eigenem kostenlosen Boot-Shuttelservice auf die andere Flussseite, und dies sogar alle 20 min. Die Boote sind sehr schön gestaltete Dschunken, mit denen wir diverse Male den Fluss passiert haben. Das lohnt sich auf jeden Fall. Pro Fahrt kann man knapp 20 min rechnen.

 

 

Rice Barge Cruises – Eine Tour per Boot

Wenn man schon die Nähe des großen Flusses genießen kann, dann sollte man auch eine kleine Flusstour buchen. Vom Anantara Hotel aus geht es kostenlos zum nächsten großen Bootsanleger, wo man auf die Expressboote umsteigen kann.
Wir werden dort von unserem Tourguide aufgepickt und laufen ihm ein paar Minuten durch verdreckte Hinterhöfe und vorbei an bunten Märkten hinterher. Kurzzeitig frage ich mich, ob ich hier wirklich in der richtigen Tour gelandet bin.  Aber dann erreichen wir einen Minibus, der uns in einer 10 minütigen Fahrt zu einem Einkaufszentrum bringt. Von dem Anleger der Mall starten wir nun unsere Tour mit dem Expressboot. Der Einstieg ist abenteuerlich, körperlich beeinträchtige Menschen werden große Schwierigkeiten haben das Boot unfallfrei zu betreten.

Die wilde Fahr geht los, unterhalten ist schwer, denn der allgemeine Geräuschpegel ist recht hoch. Es geht flussaufwärts , vorbei an den Mega-Hochhäusern der City. Das Panorama ist beeindruckend und allein dafür hat sich die Tour schon geloht.


Weiter geht es, vorbei am Königspalast, der zu einem späteren Zeitpunkt auch auf unserem Besichtigungswunschzettel steht.

Man kann einen kurzen Blick auf die königlichen Barken werfen, denn der Weg führt an dem Museum vorbei. Ein Stopp ist allerdings nicht vorgesehen, das ganze gibt es eher im Vorbeifahren. Zur Touristenbelustigung gibt es noch die Möglichkeit bei einem kurzen Zwischenstopp Fische zu füttern. Weißbrot wird für ein paar Baht verteilt und mir ist nicht sofort klar, was wir damit anfangen sollen, denn die Ausführungen des englischsprachigen Tourguides sind kaum zu verstehen. Ich verstehe lediglich immer das Fragment Bangkok, na ja, vieles ist selbst erklärend. Die ersten Stückchen Weißbrot gehen über Bord und das Wasser beginnt buchstäblich zu kochen. Nun wird alles klar. Ein beeindruckendes Schauspiel, wenn die großen Fische sich zu hunderten um das Brot balgen.

Die Kanäle verzweigen sich immer mehr und es geht an den urtümlichen thailändischen Behausungen am Flussufer vorbei. Man sieht Leute im Fluss baden, Kinder übermütig spielen. Wir bekommen einen kurzen Einblick in den Alltag der Flussanlieger. Eine ältere Frau kommt mit ihrem schwimmenden Shop längsseits gepaddelt und wir lernen, wie dieses System der “schwimmenden Märkte” funktioniert. Mit einem entwaffnendem Lächeln bietet sie uns Snacks, Souvenirs und kühle Getränke zum Kauf an.

Weiter geht es zum nächsten Stopp, wir verlassen das Expressboot durch die gleiche Kletterpartie und steigen auf eine Reisbarke um. Gemütlich schippern wir weiter, das Früchtebuffet mit dem legendären „Sticky Rice with mango“, also diesen köstlichen süß-salzigen Milchreis mit Cocosnusssoße und diesen genialen thailändischen Mangos ist eine Offenbarung und im Preis enthalten.
Es gibt ein wahres Füllhorn von verschiedenen lokalen Früchten, alles ist überaus schmackhaft. Auf dem schwankenden Boot ist ein bisschen Balancegefühl am Buffet angeraten, wobei der Kapitän immer vorsichtig fährt und bei größeren Wellen sofort die Fahrt bremst.

Die Tour dauert so ca. 2 Stunden und kostet vergleichsweise wenig Geld, für so viel Spaß, die tollen Eindrücke und die wirklich leckeren Köstlichkeiten, die auch alle einzeln vorgestellt werden. Zurück geht es wieder via Einkaufszentrum-Pier und Kleinbus bis zu einem Markt, der überwiegend von Einheimischen genutzt wird.

Garküchen so weit das Auge reicht, die Auswahl ist schier unendlich und nicht alles kann man sofort einsortieren. Wer Thailand besucht sollte sich auch unbedingt einmal durch solche Garküchen probieren. Wir haben nie etwas bekommen, was man nicht genießen konnte und wir haben niemals Magenprobleme gehabt. Es war immer alles köstlich und zudem spottbillig.

Ein Besuch auf solchen Märkten ist ein absolutes Pflichtprogramm.

Von Tempeln und goldenen Buddhas – Sukhothai Traimit Tempel, Wat Pho, Königspalast

Goldglänzende Buddhas gibt es ebenso viele wie Tempel, allein in dem Großraum Bangkok sollen es über 400 Tempelanlagen sein. Wir haben es mit 3 verschiedenen Tempeln an einem Tag ganz gut abgedeckt.
Den Auftakt auf unserer Tour macht der Wat Traimit, mit dem großen Buddha aus Massivgold. Der Tempel ist so früh noch mäßig besucht und wir können uns alles in Ruhe durch den Guide erklären lassen, wir hatten das Glück, dass diese Tour auch auf deutsch buchbar war, was bei der Fülle von Informationen und Hintergrundwissen nicht verkehrt war. Der Buddha besteht zu großen Teil aus purem Gold, besonders das Gesicht und der Körper sollen überwiegend aus dem wertvollen Edelmetall bestehen. Das Gesamtgewicht liegt bei 5,5 Tonnen.

Von oben hat man auch eine schöne Aussicht auf die umliegenden Straßen.

Der nächste Stopp ist Wat Pho, ein königlicher Tempel erster Klasse. Was für ein magischer Ort von berauschender Schönheit. Die vier großen Türme (Chedis) sind 42 Meter hoch und mit abertausenden von Keramikplättchen verziert, als wir ankommen ist es noch angenehm leer, wir haben die sitzenden Buddhas quasi für uns allein und können wunderbar fotografieren.

Die Hauptattraktion ist der liegende Buddha, der mit 46 Metern Länge durch die schiere Größe mehr als beeindruckt. Die Touristenströme werden mehr und schieben sich an der liegenden Statue unentwegt vorbei, so dass man nur schwerlich ein Foto ohne die Touristen aufnehmen kann. Die Füße sind leider gerade eingerüstet und werden restauriert.
Auf angemesse Kleidung, also keine Shorts, bedeckte Schultern usw. und das Ausziehen der Schuhe vor dem Tempel sollte jeder Tourist natürlich vorbereitet sein, Schuhe mit Schnürsenkeln werden schnell zur Geduldsprobe, so oft wie man die Schuhe an- und ausziehen muss. Man merke sich auch tunlichst den Abstellplatz der Treter, besonders wenn der Eingang ein anderer ist, als der Ausgang.

In Wat Pho wurden durch Weisung König Rama III auch viele Inschriften zur traditionellen Massage und Medizin, Botanik usw. angebracht, so dass Wat Pho als erste „offene Universität Thailands“ bezeichnet wurde.

Die nächste Station auf der Tour ist der Königspalast, (Grand Palace). Wir kommen in die Nähe und es wird nicht nur voll, es wird chaotisch auf den Straßen rund um den Palast. Himmel und Menschen, man fühlt sich an Zustände auf dem Oktoberfest erinnert. Es ist unvorstellbar trubelig, jeden Tag strömen 25.000 Besucher auf das Gelände. Wir sind zur Mittagszeit da, unser Guide meint, das ist die beste Zeit, weil dann viele Chinesen essen und die Anlage einigermaßen leer ist. Nun ja, als leer würde ich diese Zustände nicht bezeichnen. In der Schlange umgeben von trillerpfeifenden Aufsehern bete ich still, zu welchem Gott auch immer, es möge jetzt bitte keine Panik entstehen.

 

Die Anlage ist riesig groß, ca. 2,6 km² und ich habe keinen Zweifel daran, dass man hier den ganzen Tag zubringen kann. Es ist ein gutes Ensemble aus Türmen, prunkvollen Toren, Wächtern, spiegelnden Mosaikflächen und immer wieder Gold, Gold, Gold.

Die Historie kann jeder auf Wikipedia nachlesen, ich möchte lieber vom drum und dran berichten. Wir sind genau in der Woche des chinesischen Neujahrsfestes in Bangkok, welches Mitte Februar stattfindet. Rund zwei Millionen Chinesen sind zu dem Zeitpunkt ebenfalls in Thailand um dieses Fest dort zu feiern und mit einem Urlaub oder Verwandtenbesuch zu verbinden. Die Stadt ist also voll und die Hotels, die Sehenswürdigkeiten und Märkte sind es auch.

Das es voll ist merken wir spätestens als wir den bekannten Nachtmarkt Asiatique besuchen wollen.

Irgendwo ist immer Markt

Also das bunte Treiben auf den Märkten hat mich ja von Anfang an in seinen Bann gezogen. Da gibt es auch eine breite Spannweite von verschiedenen Arten. Der Nachtmarkt Asiatique, nach eigener Aussage der größte Nachtmarkt in ganz Asien, ist mit fester Gastronomie und festen Shops eher an die vielen Touristen gerichtet, hat aber dennoch viel Charme. Das große Riesenrad ist von weitem sichtbar und ein guter Orientierungspunkt in Bangkok eine Fahrt schlägt mit stattlichen Preisen zu Buche und wir haben den Gedanken an eine Karussellfahrt verworfen.

Der Markt öffnet gegen Einbruch der Dunkelheit und lässt sich normalerweise per kostenlosem Pendelboot über den Fluss prima erreichen, wenn, ja wenn es nicht gerade so voll ist wie bei uns.
Die Überfahrt mit dem Hotelboot klappt noch prima, ab da soll es einen kostenlosen Bootshuttel geben, der direkt am Pier des Marktes hält. Wir folgen den Massen und finden uns in einer unendlichen Schlange wieder. Ich vermisse ein Schild wie „ab hier warten sie noch zwei Stunden“. Nach 15 min kommen Leute mit Schildern, die die Shuttlefahrt für 20 Bath pro Nase schneller anbieten. Gut, die 50 Cent sind prima investiert, denke ich, folge den hochgehaltenen Schildern und kurze Zeit später finden wir uns auf einer Barke wieder, die ein wenig überladen wirkt und schippern Richtung Asiatique Pier.
Das Anlegen verzögert sich, da ein paar größerer Dinnerschiffe noch den Anleger blockieren. Es ist Valentinstag, wie dumm von mir, es ist dadurch natürlich noch mal eine Schippe voller, wenn das überhaupt möglich ist.

Das Essen in den Restaurants hat mich nicht überzeugt, ich wünsche mir zu dem Zeitpunkt lieber eine kleine Garküche mit Leckerbissen, na ja, das Leben ist kein Wunschkonzert.

Gegen 23.00 Uhr wollen wir zurück, an jedem Ausgang riesige Schlangen, der Anleger ist noch voller als hin, wir sind ein wenig verzweifelt und wollen doch nur zurück ins Hotel. In der Hoffnung ein Taxi zu erhaschen gehen wir zu einem anderen Ausgang und haben Glück noch ein Tuc Tuc zu erwischen.

Juchuuu. Es ist eine wilde Fahrt durch das nächtliche Bangkok und wir beschließen Tuc Tucs zu mögen. Über die Sicherheit denkt man besser nicht nach. Man bekommt auch den Abgasmief der Großstadt ungefiltert ab. Es ist aber dennoch etwas, was jeder Tourist mindestens einmal gemacht haben muss.

 

Schnuckeliger finde ich ja die kleinen lokalen Märkte, da wo sich die Thailänder selbst mit Essen versorgen. Davon gibt es an jeder Ecke welche. Fremd, anders, ein Erlebnis für alle Sinne. So schnell wie sich hier die Düfte abwechseln kann man gar nicht reagieren. Vieles habe ich noch nie gesehen. Manches wirkt entfernt bekannt, alles was wir probierten war köstlich.

Bilder sagen mehr als Worte

 

Maeklong Schienenmarkt (Railway-Market)

Rund eine Stunde von Bangkok entfernt findet man zwei wirkliche Highlights. Okay, es sind touristische Highlights aber die haben mich wirklich sehr beeindruckt. Früh schon pickt man uns am Hotel auf, wir haben uns eine private Tour mit Taxi und englischsprachigen Tourguide gebucht. Ich habe vor einiger Zeit im Fernsehen eine Doku gesehen über einen Markt, der immer beliebter und größer wurde, so dass auch immer mehr Händler aus der Umgebung dort ihre Waren verkaufen wollten. Dieser Markt wird 6 mal täglich von einem Zug mittig durchfahren. Man konnte an den Außenbereichen des Marktes keine Flächen mehr finden, also sind immer mehr Händler an die Schienen gerückt, ganz gefährlich nah an die Schienen! Wenn nun der Zug sein Kommen durch laute Signale androht werden rasch alle Sonnenschutzplanen der Stände nach oben geklappt, die angebotenen Waren werden von den Schienen genommen ,die Händler raffen ihre sonstigen Sachen zusammen und der Zug kann saugend passieren. Das ist zugegebenermaßen das Verrückteste was ich jemals gesehen habe und es hat einen gewissen Volksfestcharakter.

 

Kurz bevor der Zug passiert werden die Touristen entsprechend instruiert, jeder Händler der direkt an der Strecke seine Hütte hat bietet den unzähligen Touristen Raum für die Show, gerne werden dabei noch ein paar Getränke oder Snacks angeboten, die Thailänder sind eben praktisch veranlagt.

Der Zugführer ist zu einem gewissen Ruhm gelangt und wird von den Zuschauern gefeiert. Wie das aussieht, habe ich in einem Video festgehalten.

 

Wir hatten zwei Möglichkeiten den Zug auf seinem Weg durch den Markt zu beobachten, einmal auf seinen Weg in den Bahnhof und eine kurze Zeit später, wenn er diesen wieder verlässt.
Da das Schauspiel nur 3 x am Tag stattfindet, sind viele Touristen aus aller Welt ganz erpicht auf dieses Ereignis. Ich kann es wirklich empfehlen. Mich wundert aber auch, dass es im Hinblick auf die Sicherheit überhaupt so zulässig ist. Die Leute sind ja wie die kleinen Kinder und jeder will möglichst spektakuläre (Handy-)Bilder, auch wenn der Zug natürlich sehr langsam fährt, so ist der Bremsweg ja dennoch zu lang, um vor einem verstrahlten Touri noch rechtzeitig zu halten. Zumal die Enge schon sehr bemerkenswert ist.

Immer noch geflasht vom Gesehenen laufen wir durch die Markthallen zwischen den beiden günstigen Zug-Hotspots. Wir gehen vorbei an unzähligen Ständen für Fisch und Meeresfrüchten, Blumen, Obst und Gemüse und berauschenden Gewürzen, fremdartige Desserts und Süßigkeiten. Die Böden bestehen aus einer rutschigen Mischung von Lehm, Fischresten und gebrochenen Betonsteinen die ein gewisses Maß an Aufmerksamkeit einfordern, Flip Flops wären heute definitiv die falsche Schuhwahl gewesen. Meine helle Hose erleidet einen Totalschaden.

 

Nach 10-15 min gelangen wir zum Bahnhof. Auch hier ist es voll, ein Schmelztiegel aus allen Nationen dieser Welt. Der Zug steht abfahrtbereit und wird entsprechend umlagert. Nach lautstarkem Signal geht es wieder zurück durch den Markt, ein Uniformierter regelt den für uns sehr chaotischen wirkenden Straßenverkehr und achtet darauf, dass die Touristen nicht noch in letzter Sekunde für das ultimative Selfie vor den Zug springen.

Der Zug verschwindet zwischen den Ständen und final werden die Stände wieder zurückgeklappt, bis zur nächsten Show.

Die schwimmenden Märkte von Amphawa

Wir finden unseren Guide und auch unser Taxi und es geht weiter zum nächsten Abendteuer. Hinter einer unscheinbaren Fabrik, 15-20 Fahrminuten vom Schienenmarkt entfernt verlassen wir das Taxi und werden zu den Kanälen, die diese Region zwecks Bewässerung aber auch als Wegenetz durchziehen geleitet. Wie steigen um in ein Longtailboat, drei Personen und der
Bootsführer finden in diesem Gefährt Platz. Man sitzt recht niedrig und man ist gut beraten, wenn man die Balance auf dem schmalen Boot hält. Die Motoren der Longtailboote sind an eigentümlich langen Stangen befestigt die auch helfen die flachen Wassertiefen auszugleichen, indem die Schiffsschraube nah an der Wasseroberfläche gehalten wird.

Es geht in einer rasanten Fahrt los. Ich bin überrascht, wie viel Speed die Boote aufnehmen. Die Fahrer scheinen sich einen Spaß draus zu machen auf einigermaßen freier Strecke alles aus ihrer Booten rauszuholen.

Wir werden durch verzweigte Kanäle geschippert, vorbei an Häusern, die direkt am Wasser auf Stelzen gebaut sind, an üppiger Vegetation und auch mal an einem Tempel. Hin und wieder kreuzt ein Waren unseren Weg. Die großen Echsen haben wir gleich mehrmals in der Region Bangkok gesehen, darunter auch einmal direkt im Garten unseres Hotels, dem Anantara.

Ich genieße die Fahrt, wobei man sich erst ein paar Minuten an das ungewöhnliche Gefährt gewöhnen muss, eine Verständigung ist eher schwerer möglich, aber auch nicht nötig, die Landschaft spricht für sich.

 

Dann wird es voller auf dem Kanal. Die Fahrt verlangsamt sich. Von überall scheinen Boote aufzutauchen. Es ist nicht mehr weit bis zu den schwimmenden Märkten. Die ersten Verkaufsstände tauchen am Ufer auf. Hier kann man vom Boot aus direkt ranfahren und die Waren erwerben. Die Kanäle werden immer voller und ich entdecke die ersten schwimmenden Garküchen und Boote schwer beladen mit köstlichem Obst. Was für eine Fülle an Farben und Formen. Im größten Trubel steigen wir aus und betretet die hölzernen Terrassen des Marktes. Boote die Cocos-Eis feilbieten tauchen auf, vor mir bereitet eine alte Dame gebackene Bananen in einem riesigen ölgefüllten Wow zu, wohlgemerkt, auf ihrem Kanu. Man verzeihe mir an dieser Stelle den Begriff Kanu, aber ich finde keine richtigen Bezeichnungen dazu, wie diese schwimmenden Paddelboote richtig genannt werden.

Die gebackenen Bananen für kleines Geld sind köstlich, die Fotos, die ich von ihr schieße begeistern mich noch mehr. Was für ein schönes Gesicht. Überall, wenn ich nonverbal frage, ob ich jemanden fotografieren darf, bekomme ich ein Nicken und ein warmes Lächeln. Ich freue mich und fühle mich wie Alice im Wunderland, so viele Motive. Ich könnte die nächsten Stunden einfach damit zubringen die Menschen hier zu beobachten und zu fotografieren und es würde mir niemals langweilig werden.

Wir gehen durch ein paar verwinkelte Gassen und erreichen, über den Weg durch einen Touristenmarkt, der mit überzogenen Preisen aufwartet, einen anderen Teil der schwimmenden Märkte. Die Thailänder haben sich natürlich auf die Touristen eingestellt und wer diesen Hotspot besucht, will vielleicht das ein oder andere Mitbringsel erwerben. Hier ist also ein gutes Gespür fürs allgemeine Preisgefüge nötig, sonst zahlt man auch gerne mal den 5-fachen Preis. Hier sollte man feilschen, weil die Händler wissen, dass die Touristen dies tun. Auf anderen Märkten habe ich die günstigen Endpreise bereits so schon vorgefunden, dafür wird man aber ein Gespür entwickeln. Das Feilschen läuft immer nach dem gleichen Schema ab. Der Händler tippt den Preis in einen Taschenrechner, der eingeweihte Tourist setzt mit rund 25 % des Preises dagegen, der Händler regt sich gespielt auf und sagt, dass das viel zu wenig ist, geht im Preis runter und man trifft sich, je nach eigenem Geschick auf einem halbwegs mittigen Preis. Das funktioniert aber nur bei den üblichen Touristenprodukten wie T-Shirts, Schals/Tüchern, Uhren usw. bei Lebensmitteln ist das Handeln unüblich.

Wir werfen von oben einen Blick auf den anderen Teil des Marktes, es ist so voll, dass man zum Teil gar kein Wasser vor lauter Booten mehr sieht. Ich mag die Atmosphäre, fremd, bunt, laut, anders, eine wahre Explosion für alle Sinne.

 

Wir lassen uns durch die Menge treiben, hier sollte man allerdings auf seine Sachen aufpassen, das Gedränge ist wie gemacht für Taschendiebe. Die Vielfalt ist schier unermesslich, jeder versucht ein Stück vom Kuchen abzubekommen, die Wege dahin sind vielfältig, zeigt man einen Hauch Interesse, beginnt der Verkäufer direkt sein Verkaufsprogramm. Alles aber sehr sympathisch, bedrängt gefühlt haben wir uns nie.

Wir probieren ein paar weitere Köstlichkeiten, wie die sehr leckeren Cocosnusspfannkuchen, die so ein bissen wie die holländischen Poffertjes ausschauen und unglaublich köstlich sind, aber auch die Spieße die wir versuchen sind großartig. Kulinarisch gesehen ist Thailand sowieso einfach der Wahnsinn.

Wenn man diese Märkte dann irgendwann verläßt ist man in gewisser Weise reizüberflutet, zumindest, wenn man so fotoafin ist wie ich und überall Motive entdeckt.

Die Rückfahrt verläuft ruhig und am frühen Nachmittag sind wir wieder an unserer Oase am Fluss angekommen.


Kuba – Santiago de Cuba, Banes, Holguin

Ein Ausflug von der Küste nahe Guadalavaca nach Santiago de Cuba ist auf jeden Fall empfehlenswert. Wir buchen die teurere Variante mit dem Oldtimertaxi und sind anfangs unsicher, ob es die richtige Entscheidung ist. Für aktuell so um die 90,- € pro Person gibt es die Tour mit dem Bus, für 129,- € mit dem Classic-Car-Taxi. Nie war ich glücklicher ein bisschen mehr Geld ausgegeben zu haben. Es ist einfach fantastisch. Santiago de Cuba liegt rund 200 km von der Playa Esmeralda entfernt und wer einmal die Straßen Kubas genossen hat, weiß, dass man mit einem Durchschnitt von 100 km/h hier wirklich niemals rechen darf. Morgens um 7.00 Uhr soll es losgehen und wir sind wirklich erstaunt, dass sonst niemand diese Tour gebucht hat.

Wir haben einen sehr netten Tourguide, der sehr gut deutsch spricht und einen kubanischen Fahrer, in einem wunderschönen türkisfarbenen Chevi Bel Air. So langsam wachsen mir diese Autos ans Herz.

Die Ledersitze sind wunderschön, der Chevi insgesamt in einem guten Zustand. Nach einer liebenswürdigen kubanischen Verspätung, die aber durch ein Missverständnis begründet war, geht es dann los.

Ohne Stopp braucht man gute 3 – 3,5 Stunden, was ein echt guter Schnitt ist. Es geht auf endlosen Landstraßen an einer sich rasch verändernden Landschaft vorbei. Bananenfelder, Königspalmen, dschungelähnliche Vegetation, unterbrochen von Zuckerrohrfeldern, Weideland und kleinen ländliche geprägten Örtchen wechseln sich in rascher Folge ab.

Nach knapp 2 Stunden halten wir an einem kleinen Bauerhaus, man möchte uns ein typisches Domizil der kubanischen Landbevölkerung zeigen. Ich glaube, für alle Seiten ist die Begegnung spannend. Die ganze Familie ist versammelt, die Tochter hat ein kleines Frühstück zusammengestellt mit Produkten die wir bisher an unseren üppigen Hotelbuffets nicht entdecken konnten. Alles aus eigener Herstellung.

Opa, stolze 80 Jahre, wird beauftragt eine Kokosnuss für die Gäste zu öffnen, die wir genüsslich austrinken. Es gibt ein schnittfestes Gelee aus Guave, die Früchte kommen selbstverständlich aus dem Garten, den man mit frischen, hausgemachten Käse kombinieren soll. Man hat gebacken, frischer Saft wird serviert, Honigwaben, Ananas und ein wirklich leckerer Kaffee. Wir sind begeistert. Den Stopp hat der Guide organisiert und es ist wirklich super. Wir zeigen uns gerne in Form eines Trinkgeldes erkenntlich. Dafür wird man ein Gespür entwickeln, wenn man ein paar Tage auf der Insel ist. Die kubanische Bevölkerung kann man getrost als arm bezeichnen. Es gibt zwar eine Grundversorgung mittels Bezugsscheinen für Reis, Zucker und Bohnen, also den absoluten Grundnahrungsmitteln, ein Gesundheitssystem das kostenlos ist und auch eine freie Bildung inkl. Hochschule, aber all das lässt nicht vergessen, dass die Menschen wirklich arm sind. Das Durchschnittseinkommen liegt bei deutlich unter 30,- €. MONATLICH! Rentner auch nur 9,- €

Wenn alle sonstige Produkte, wie zum Bespiel Kleidung und Kosmetikprodukte auch im Verhältnis so billig wäre, wäre das alles nicht so schlimm, dies ist aber nicht der Fall. Eine Jeans kostet 25,- – 30,- CUC, also ein Monatseinkommen, auf dem Schwarzmarkt immer noch 20,- CUC. Das ist auch der Grund, warum man auf der Straße oft nach Seife gefragt wird. Die Bettler fragen die Touristen tatsächlich nach Seife, weil diese relativ teuer ist und man die wiederum weiterverkaufen kann. Unfassbar für die Einheimischen, dass auf einem Hotelzimmer direkt mehrere Stücke Seife liegen, eine Tatsache, über die wir nicht wirklich nachdenken.

Unser Guide, mit dem wir ja einen ganzen Tag verbracht und uns wirklich toll unterhalten haben als wir nach Santiago de Cuba gefahren sind, besuchte einmal auf spezielle Einladung Deutschland. Dem kubanischen Fahrer hat er erzählt, dass es direkt mehrere Toilettenpapierrollen auf einer Toiletten gibt. Unfassbar – für Kubaner. Er hat das sogar fotografiert. Wir schmunzeln.

Unsere Entscheidung, unsere gesamten Kosmetikartikel vor der Heimreise zu verschenken, stand da schon fest. Die Menschen freuen sich überschwänglich. Kubaner sind wirklich warmherzlich. In unserem Hotel war der Service herausragend nett. Aber das nur so am Rande. Weiter geht es zu einer neuen Tour.

Es geht Richtung Santiago de Cuba, eine wirklich sehenswerte Stadt. Die erste Station ist der Platz der Revolution. Einen solchen gibt es eigentlich in jeder größeren Stadt aber der in Santiago de Cuba ist imposant groß, ein paar archaisch wirkende Spitzen ragen wie Mikadostangen in den Himmel und das Reiterdenkmal von Antonio Maceo wirkt vor dem karibischen Himmel sehr beeindruckend. Die kleine Wächterin am Bildrand vermittelt einen Eindruck von den Dimensionen. Im Anschluss geht es zum Friedhof auf dem Fidel Castro und auch die Familie Bacardi zur Ruhe gebettet wurden. Die Wachablösung jede halbe Stunde sollte man sich nicht entgehen lassen.

 

 

 

 

 

 

Die Wachablösung wird untermalt von heroischer Musik, die Soldaten führen einen perfekt choreografierten Stechschritt vor, wer so was noch nicht gesehen hat, sollte sich das definitiv nicht entgehen lassen.

Danach geht es weiter im Programm, wir fahren mit dem Chevi durch die Vorstadt von Santiago, in Kürze werde ich noch einen kleinen Videofilm online stellen, der ein paar dieser Eindrücke festgehalten hat.

Die Vorstädte unterscheiden sich nur in den Ausmaßen von Holguin, die Bausubstanz ist die gleiche, bunte Häuser, allesamt in eher schlechtem Zustand, eng bebaut, mit schmiedeeiseren Gittern oder Schlagladen statt Fenstern. Es sind viele Menschen auf den Straßen, es herrscht ein buntes Treiben.

In einer Bucht verlassen wir unsern Oldtimer und wechseln das Transportmittel, mit dem Katamaran geht es durch eine Bucht zu einer kleinen Insel auf der ein hübsches Restaurant mit unserem Mittagessen wartet.

 

 

 

 

 

 

Das Essen ist lecker. Die Luft wunderbar, die Temperaturen liegen in unserem Urlaubsmonat November bei rund 26-27 Grad. Ein sanfter Wind sorgt für regelmäßige Erfrischungen. Eine Jacke haben wir nie gebraucht, aber lange Hose zum Schutz gegen die Moskitos, zumindest an unsere Küste auf jeden Fall. Am besten hat Anti Brumm forte gewirkt, das hält die kleinen Plagegeister auf Abstand.

Nach dem Mittagessen setzen wir wieder mit dem Katamaran über und es geht in die Innenstadt von Santiago de Cuba. Die Kathedrale Nuestra Señora de la Asunción in Santiago de Kuba muss man unbedingt fotografieren, sie ist ein Muss! Das Gotteshaus wurde jedoch erst 1922 fertig gestellt und ist eine von mehreren Nachbauten der 1555 errichteten Holzkirche, die in einem Feuer zerstört wurde. (Quelle: Wikipedia)

Die Kathedrale Nuestra Señora de la Asunción in Santiago de Kuba

Das Santiago de Cuba Diego Velazquez Museum

 

Das Santiago de Cuba Diego Velazquez Museum sehen wir auch, gehen allerdings nicht hinein, weil wir die Atmosphäre der Stadt noch ein bisschen genießen wollen.

Wir streifen durch die Stadt, sehen uns Fußgängerzonen/Einkaufspassagen an, zuerst geführt von unserem Tourguide, später auf eigene Faust.

 

 


Kubas Osten – Holguin, Banes, Guadalavaca

Verkehr

Das Embargo der Vereinigten Staaten gegen Kuba ist ein aus mehreren Maßnahmen bestehendes Handels-, Wirtschafts- und Finanzembargo, das sich gegen die ab 1959 von Fidel Castro, seit 2008 von seinem Bruder Raúl geführte Regierung Kubas richtet. Die ersten Maßnahmen wurden 1960 von Präsident Dwight D. Eisenhower verhängt, nachdem die kubanische Regierung Eigentum von Bürgern und Unternehmen der Vereinigten Staaten im Umfang von rund einer Milliarde US-Dollar enteignet hatte. Das Embargo wurde seitdem in mehreren Schritten verschärft und teilweise wieder gelockert. 

Durch die Knappheit an Treibstoff und Autos wurden die Kubaner zu „Anhaltern“. Viele staatliche Transportmittel sind gesetzlich verpflichtet Tramper mitzunehmen. Da das öffentliche Verkehrsnetz nicht zwingend Städte übergreifend funktioniert, ist das Reisen per Anhalter teilweise die einzige Möglichkeit um von A nach B zu kommen. Somit sieht man viele Leute an den Straßen, die stundenlang auf eine Mitfahrgelegenheit warten.

Auf den Stadt- und Landstraßen, aber auch auf den Autobahnen tummelt sich ein wahres Füllhorn von Straßenverkehrsteilnehmern, das kann dann auch schon mal ein Bauer mit einem Schwein an der Leine, eine Kutsche, die einem auf der eigenen Seite entgegen kommt, oder ein Reiter sein. Alles völlig normal, man achtet eben auf den anderen, auch auf die weidenden Pferde auf dem Mittelstreifen und die Hühner am Seitenstreifen.

Ich stelle mir gerade vor, welche Radiodurchsagen bei uns laufen würden, wenn auch nur eins dieser “Verkehrshindernisse” bei unseren bundesdeutschen Autobahnen auftauchen würde. Da man aber eh um die tiefen Schlaglöcher drumrumfahren muss, ist das alles nicht ganz so schlimm, eine Übertretungen der Höchstgeschwindigkeit ist auf den Straßen auch eher unwahrscheinlich, also spart man sich die Blitzer.

Gegen Abend können die vielen Kutschen, die allesamt unbeleuchtet unterwegs sind zu einer echten Gefahr werden. Die größeren Optimisten unter den Kubanern befestigen CDs als Rückleuchten an ihren Pferdefuhrwerken, quasi als Rücklicht-Ersatz. Bei Einbruch der Dunkelheit dürfen die Pferdefuhrwerke eigentlich auch nicht mehr fahren, aber wer soll das hier schon kontrollieren? Und wenn der Bauer vom Feld kommt, ist ihm das Verbot wohl auch nicht ganz so wichtig. Die Pferdekutschen werden überall als Taxi genutzt, ebenso wie für die Landwirtschaft, auch sehr gern in der Stadt, was den Straßenverkehr „recht interessant“ macht.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Holguin ist als Stadt sehenswert, wenn auch für westliche Augen fremdartig, unübersichtlich, laut und durch die unzähligen alten Autos auch nicht als Luftkurort empfehlenswert. Sobald man die Stadtgrenzen passiert hat, sieht man, wie groß sie ist.

Allein die Fahrt durch die Vorstadt fand ich schon sehr spannend und es gibt einen Vorgeschmack auf eine Stadt, die, mit den Vorstadtbezirken knapp 350.000 Menschen beherbergt, die gleichnamige Provinz Holguin zählt um die 800.000 Einwohner, wobei man da auch unterschiedliche Angaben findet.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Man sollte unbedingt den Kreuzberg besuchen, von dem man einen schönen Rundumblick auf die gesamte Stadt und die umliegende Landschaft hat.

Der Kreuzberg – Loma de la Cruz

Wer der üppigen Kalorienversorung der Hotels entgegenwirken möchte, der erklimmt die knapp 500 Stufen der Treppe zum Kreuz zu Fuß. Ich habe das ausprobiert und es war keine große Herausforderung. Den Bettlern, die die Treppe als Revier bevölkern kann man entgehen. Sie sind nicht sonderlich aufdringlich. Man wird gefragt, woher man kommt, sie wollen einem Gebäude zeigen und erwarten von dem einen oder anderen Touri ein Trinkgeld. Wirklich lästig sind sie nicht.

Auch die Fabrik in der die berühmten Cohiba Zigarren hergestellt werden, ist überaus interessant. Leider ist in der gesamten Fabrik das Fotografieren untersagt. Das ist aus der früheren Angst vor Know-How-Klau begründet, wurde aber nie wieder aufgehoben. Die Arbeiter, in dieser Fabrik sind es 500, sitzen in großen Hallen und fertigen in reiner Handarbeit in Akkordarbeit die wertvollen Glimmstängel, die besten der Welt, wie jeder Kubaner stolz zu verkünden weiß.

Die Tagesvorgaben sind hoch, geübte Arbeiter schaffen aber auch eine höhere Stückzahl als die geforderten 130 Stück. Der Geruch ist einfach toll, irgendwie würzig, nach frischem Tabak eben, obwohl ich überhaupt kein Fan von Zigarren bin.

Die Blätter werden von Arbeitern nach Qualität, Beschaffenheit und Farbe sortiert. Danach werden die Tabakblätter an die Arbeiterinnen und Arbeiter verteilt. Ja, entgegen den früheren Zeiten finden auch immer mehr jüngere Männer gefallen an dem Job, sonst waren das eher Frauenjobs, weil diese als geschickter galten.

Die Atmosphäre ist kubanisch locker, man sieht den Angestellten keinen Arbeitsdruck an. Man erzählt uns, dass den Arbeitern früher während der Arbeit regelmäßig vorgelesen wurde, so tat man auch noch gleichzeitig etwas für die Bildung der Arbeiter. „Der Graf von Monte Christo“ wurde zum Beispiel oft gewünscht und gelesen.  Diese Tatsache schlug sich später wohl auch in der Namensfindung für die Zigarren Montecristo nieder. Wir haben viele junge Leute gesehen, die mit Kopfhörern versehen, sich ihre Lieblingsmusik zu der Arbeit mitgebracht hatten.

Ein kleiner Bummel durch die Innenstadt von Holguin sollte auch eingeplant werden. Es gibt diverse Parks, die wir allerdings nicht sofort als solche wahrgenommen hätten. Großzügig angelegte Plätze würde ich sie eher nennen. Das Treiben ist auch hier wieder bunt und wirr, aber irgendwie liebenswert.

 

 

 

 

 

 

Es gibt hier so viele Fahrrad-Rikschas, dass es schon fast unübersichtlich ist. Das Benutzen dieser Gefährte ist für die einheimische Bevölkerung ganz normal, und nebenbei bemerkt gar nicht so schlecht für die Luft in den Städten.

 

 

 

 

 

 

 

Unzählige Kleinstgeschäfte werden durchs offene Fenster oder die offene Tür betrieben. Da verkauft einer Schuhe aus dem Fenster, dort sitzt ein „Techniker“ im Hausflur und repariert Handys. Die Atmosphäre hat viel Schönes, weil sie ganz anderes ist, als alles, was wir in Deutschland kennen. Die Kubaner nehmen sich eben nicht so wichtig wie wir Deutschen. Mir gefällt das sehr.

Techniker, er repariert gerade Uhren und Mobiltelefone

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

In der Einkaufspassage entdecke ich eine alte Frau, sie scheint hier auf der Straße zu leben, ihre viel zu große Kleidung starrt vor Dreck, aber ich sehe in ihren lebhaften braunen Augen eine Freude, die ich hier bei unseren Menschen, die im Vergleich zu kubanischen Verhältnissen mit dem berühmten goldenen Löffel im Mund auf die Welt gekommen sind, nicht sehr häufig finde. Ich schätze sie auf 60 Jahre, vielleicht ist sie aber deutlich älter oder auch jünger. Das ist hier schwer zu sagen. Die starke Sonne prägt die Menschen. Ich mag sie sofort. Sie scheint zumindest etwas Blut der Ureinwohner intus zu haben.

Wie schade, dass ich mich nicht traue, sie zu fotografieren. Sie ist mir jetzt immer noch im Gedächtnis. Verrückt. Das wären wahrscheinlich die Portraits meines Lebens gewesen.

Voller neuer Eindrücke und demütig ob der hier allgegenwärtigen Armut lassen wir uns von dem quitschgelben 1954er Chevrolet Bel Air zum Resort zurückfahren.

Chevrolet Bel Air, 1954

 

 

 

 

 

 

 

Die Kommunikation mit den Fahrern läuft auf englisch recht problemlos, obwohl ich nicht immer ganz sicher bin, ob sie wirklich alles verstanden haben. Interessante Infos bekommt man allemal.


Cuba, Holguin & Umgebung

Bilder sagen mehr als Worte…. jedenfalls manchmal.

 

Oldtimer-Taxi

Ich sitze in einem pink/weißen Chevrolet Bel Air, Baujahr 1954, aus den Boxen schallt laut Hotel California von den Eagles, der Weg führt an einer karibischen Traumkulisse vorbei, einsame Sandstrände, gesäumt von sich sanft im Wind wiegenden Palmen. Hin und wieder tauchen ein paar kunterbunte, teils arg verfallene Hütten auf, man sieht freundlich grüßende Menschen, die vor diesen Unterkünften sitzen und dem Treiben auf der Straße zuschauen, wer braucht auch Fernsehen. Am Strand wird gerade ein Spanferkel über offenem Feuer gegrillt, ausgelassenes Treiben, die Menschen feiern, das Leben scheint einfach perfekt zu sein, hier auf Kuba, doch das ist es sicherlich nicht. Es ist nur mit Sonne und den durchschnittlichen 26/27 Grad im November so viel schöner.

Um dem einheitlichen Grau des deutschen Herbst zu entfliehen, hat es mich in den sozialistischen Staat zwischen Atlantik und karibischem Meer verschlagen.

10,5 Flugstunden vom kalten Deutschland entfernt, empfangen mich warme 27 Grad und eine angenehme Luftfeuchtigkeit, als wir das Flugzeug verlassen. Es ist das einzige Flugzeug auf dem Flughafen Holguin. Stress schein hier ein Fremdwort zu sein. Mein erster Gedanke, als ich den Flughafen gesehen habe war, dass es bei uns sicherlich Tankstellen gibt, die größer sind, das ist aber nicht so ganz ernst gemeint. Schön ist, dass man sicher nicht Gefahr läuft, sich hier zu verirren. Viele Fluggesellschaften steuern Cuba nicht an und wenn, dann ist der Großraum Havanna sicher deutlich stärker frequentiert, ich jedoch bevorzuge es lieber etwas weniger massentouristisch.

Einreise

Deutsche benötigen für die Einreise ein Touristenvisum, dies ist aber einfach über das Reisebüro erhältlich und wird unaufgefordert mitbestellt, wenn man bucht.

Rechtschreibfehler oder durchgestrichene Angaben finden die kubanischen Staatsdiener nicht lustig und dies kann ein neues Dokument zu einem recht hohen Preis notwendig werden lassen, so jedenfalls erzählten uns das freundliche Ehepaar, welches wir im Hotel kennenlernten, bei ihnen hatten sich die Mitarbeiter im Reisebüro verschrieben.

Die Einreisekontrolle ist gründlich, aber auch das lässt sich verkraften. Man wird am Flughafen fotografiert und alle Dokumente werden sorgsam geprüft.

Dann geht es Richtung Hotel, bei uns war es das Paradisus Rio de Oro, an der Playa Esmeralda. Das Hotel liegt auf einer Art Halbinsel in Alleinlage. Wer hier Strandpromenaden a la Mallorca erwartet wird enttäuscht. Ich finde das aber nicht sonderlich schlimm.

Transfer nach Guadalavaca

Wer schon bei der Buchung einen Transfer durch ein Taxi mitbucht, erspart sich die Bus(tor)tour vorbei an diversen Hotels. Nach einer guten Stunde erreicht man nun das/die Hotels nahe des Örtchens Guadalavaca, was so viel wie „Hüte die Kuh“ bedeutet. Vielleicht soll der Name auch die Eigenschaft des verschlafenen kleinen Örtchens beschreiben. Vom Paradisus fährt man mit dem Taxi 5 min zu diesem kleinen Ort. Hier ist nicht viel, ein paar Hotels, ein paar sehr kleine Läden, in denen aber nur die Touristen kaufen können und ein Touristen-Souvenirmarkt, dessen 10 Stände man in 5 min. bewundern kann, länger braucht man dazu auch wirklich nicht.

 

Die Stände habe 3 Arten von Waren, a) Leder- ,Blech-und Holzsouveniers, b) Schmuck und c) billige Kleider und T-Shirts. Diese Waren findet man wohl auf jedem Markt auf ganz Kuba. Da lässt der Sozialismus grüßen. Für mich gab es nicht so viele Produkte, die mich angesprochen haben, die Kleider will frau wohl nicht freiwillig anziehen, der Stoff fühlt sich an wie ein alter Spühlschwamm und die Preise sind dafür auf jeden Fall nicht angemessen. Auch in den Hotels werden immer wieder solche Waren von „Fliegenden Händlern“ angeboten, auch in unserem Hotel.

Ganz vereinzelt hat man wirklich schöne Kunstgegenstände gesehen, hergestellt aus Altmetall/Schrott. Aber man sollte immer das Gewicht des Koffers im Auge behalten, das, wenn man z.B. mit der Condor economy fliegt, eh nur 20 kg betragen darf. Dies hat mich davon abgehalten solche Kunst zu erwerben, der Preis war super und die Qualität und Ausführung großartig. Zudem sei gesagt, dass man auch bei der Ausfuhr, besonders bei gemalten Bildern (Kunst) einige Dinge und Vorschriften beachten muss, sonst kommt es bei der Ausreise zu ggf. recht teuren Überraschungen, ebenso bei Übergepäck. Laut Reiseveranstalter liegt da der Preis bei ca. 30,-/pro kg  und das wird wiederum genau geprüft.

Auslandsreisekrankenversicherung

Die überall in den Foren beschriebenen Nachweise über das Vorhandensein einer Auslandsreisekrankenversicherung wurden bei uns bei der Einreise nicht verlangt, man sollte allerdings diese Nachweise in spanischer Sprache mitführen. Sicher ist sicher. Leider muss man im Krankheitsfall eh alles privat vorbezahlen und dies ist nicht günstig. Da kostet der Aufenthalt pro Nacht schon mal 300,- €, ohne ärztliche Leistungen, die kommen dazu. Diese Aussage stammt von unserem Guide.

Das liebe Geld

Gängige Zahlungsweisen wie Kreditkarten von American Express, sowie Travellerschecks werden nicht angenommen! Auch die MasterCard wurde bei uns abgelehnt. Lediglich die VisaCard funktionierte. Das Geldabholen am Bancomat habe ich jedoch nicht ausprobiert. Das ist auch nicht so, dass überall Banken und Geldautomaten rumstehen. Bargeld ist da die gute alte Alternative. In den Hotels soll es wohl teilweise mit der MasterCard klappen, ich würde mich allerdings nicht darauf verlassen. Die Touristenwährung, also der CUC wird so ziemlich 1:1 zum Euro umgetauscht, bei Banken nur mit dem Pass möglich, im Hotel auch ohne, dann aber mit schlechteren Kursen. Der Umtausch ist nur in Kuba möglich, die Währung darf nicht ausgeführt werden.

Wenn man sich das erste Mal über Kubas Straßen kutschieren lässt, so ist das schon ein eigentümlicher Eindruck. Kubas Straßen bilden das wohl weltweit größte Freilichtmuseum für Oldtimer. Rund 70.000 der alten Schätzchen, überwiegend alte amerikanische Straßenkreuzer von Chevrolet und Pontiac aus den 1950er Jahren bevölkern die desolaten Straßen. Dazwischen sieht man unendlich viele Kutschen oder Ochsenkarren, Fahrradrikschas, Reiter, uralte Lkws und Busse, Menschen zu Fuß, darunter sehr viele Anhalter. Das Anhaltertum hat auf Kuba eine gute alte Tradition, die begründet in der Treibstoffknappheit der Krisenjahre lag.

Ein kurzer Rückblick auf die Geschichte erklärt vieles.

Im Oktober 1962 erreichte der Konflikt des Kalten Kriegs seinen Höhepunkt. Nur ganz knapp entging die Welt einem Atomkrieg zwischen den Supermächten USA und Sowjetunion. In diesen Tagen blickte der ganze Globus auf Kuba, denn dort wurden sowjetische Mittelstreckenraketen gelagert, die sich unmittelbar auf die Vereinigten Staaten richteten. US-Präsident Kennedy und Regierungschef Chruschtschow stand eine schwierige Entscheidung bevor1.

Invasion in der Schweinebucht

Die Vorgeschichte begann mit Fidel Castro. Durch seine Revolution wurde Kuba 1959 in einen sozialistischen Staat umgewandelt, der seitdem nach kommunistischen Grundlagen regiert wurde. Während sich der Kontakt zu den USA verschlechterte, nahm Kuba diplomatische Beziehungen zur Sowjetunion auf. Um den Einfluss des Kommunismus in der Welt zurückzudrängen, beschloss die US-Regierung, durch geheime Operationen auf Kuba einzugreifen. Nach Planung der CIA sollten Exilkubaner in die Schweinebucht auf Kuba gelangen und von dort aus eine Gegenrevolution auslösen. Da der Plan aber nicht aufging, war es für die USA nicht mehr möglich, militärisch einzugreifen2

Um den Machteinfluss des jeweiligen Konkurrenten zurückzudrängen, stationierten beide Großmächte Mittelstreckenraketen. Da Kuba in der Nähe zu den USA lag und gute Kontakte zur Sowjetunion pflegte, wuchs bei der US-Regierung die Furcht, dass die Insel von sowjetischen Waffen belagert werden könnte. Die USA schickten Aufklärungsflugzeuge nach Kuba und entdeckten schließlich aufgestellte Raketen. US-Präsident Kennedy berief unmittelbar einen geheimen Krisenstab ein3.

In einem Treffen mit dem sowjetischen Außenminister Andrej Gromyko wurde oftmals betont, dass die USA und die westlichen Besatzer West-Berlin der Sowjetunion überlassen sollen. Trotz der angespannten Lage und bevorstehendem Ausbruch eines Atomkriegs entschied sich Kennedy dazu, eine Seeblockade einzurichten und forderte Chruschtschow dazu auf, die Raketen aus Kuba abzuziehen. Obwohl die Blockade von der Sowjetunion nicht direkt akzeptiert und ein amerikanisches Aufklärungsflugzeug über Kuba abgeschossen wurde, konnte einer Eskalation knapp entgangen werden4.

Chruschtschow erklärte sich schließlich dazu bereit, die Mittelstreckenraketen aus Kuba abzuziehen. Gleichzeitig mussten sich die USA dazu verpflichten, eine militärische Invasion auf Kuba zu unterlassen und ihre in der Türkei stationierten Raketen zu entfernen. Die UdSSR rüstete nach der Kuba-Krise verstärkt auf, um mit den USA gleichziehen zu können. Um solchen Konflikten künftig aus dem Weg zu gehen, verbesserten beide Supermächte die Kommunikation untereinander und richteten den „Heißen Draht“ ein. Die aufgeheizte Stimmung konnte sich nun etwas entspannen5.

  1. http://www.zeit.de/zeit-geschichte/2012/03/kubakrise-kalter-krieg
  2. .http://www.wasistwas.de/aktuelles/artikel/link//031a75f403/article/die-invasion-in-der-schweinebucht.html
  3. http://www.planet-wissen.de/politik_geschichte/nachkriegszeit/kalter_krieg/kuba_krise.jsp
  4. http://www.focus.de/wissen/mensch/geschichte/tid-27733/kubakrise-vor-50-jahren-als-die-welt-am-abgrund-stand_aid_840426.html
  5. http://www.nzz.ch/international/das-historische-bild/heisser-draht-zwischen-moskau-und-washington-1.18102448

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